wiedergehört

Donnerstag, 20. August 2009

Carpenter, zum zweiten

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Ein Gutes hat das unerfreuliche Radio-Erlebnis mit Cameron Carpenter immerhin gehabt. Ich erinnerte mich wieder an die Carpenters, die ich jahrelang völlig vergessen hatte. Gar nicht mehr bewusst waren mir auch das schwierige Leben und der tragische Tod der Sängerin Karen Carpenter, die, wie ich finde, eine der allerschönsten Gesangsstimmen überhaupt hatte. Bei Youtube fand ich einen Auftritt des Duos bei einer "Starparade" 1978, den ich damals bestimmt gesehen habe. Dass die nicht mal Dreißigjährige damals in Folge ihrer Magersucht wie gut 40 aussah, hat sich mir anscheinend eingeprägt - ich habe ihre Stimme immer mit einer reiferen Frau identifiziert (allerdings klingt ihr wunderbarer Alt auch "älter", schon mit knapp 20, als sie angefangen hat). Wie dem auch sei: Ein trauriges Schicksal, auch wegen der offenbar verdrängten familiären Hintergründe und Probleme, aber ein schönes, wenn nun auch etwas eingetrübtes Wiederhören mit einigen prächtigen Popsongs.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Wiedergehört: Soltis Meistersinger

So viel "Bayreuth" scheint doch in mir zu stecken, obwohl ich noch immer nicht zu den Festspielen dortgewesen bin (oh Schande, oh Schmach!) - immer im Sommer brauche ich eine Dosis Wagner. (Heute: "Tristan" in der Stuttgarter Oper, ob's wohl gut wird?) Auf einer längeren Autofahrt habe ich mir letzte Woche die Solti-Aufnahme der "Meistersinger" von 1995 wieder einmal angehört - doll, vor allem wegen der wohl unschlagbaren Sängerbesetzung, an deren Spitze José van Dam einen kraftvoll-eleganten Sachs singt. Sehr empfehlenswert, noch immer.

Dienstag, 1. April 2008

Böhm und Beethoven

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"Karl Böhms letzte Aufnahme", so prangte es damals wie ein Trauerflor auf der LP-Cassette: Beethovens Neunte auf zwei Platten und damals mein ganzer Stolz. Endlich mal wiedergekauft (a propos: Auch diese CD verschwand bei irgendeiner "Ausleihaktion" auf Nimmerwiedersehen) und nun gerade wiedergehört. Bei aller Neigung zum Historisch-Authentischen finde ich diese im November 1980 entstandene Aufnahme ganz außerordentlich spannend und weiß gar nicht genau zu sagen, warum. Vielleicht weil hier die Wiener Philharmoniker gleichsam mit und stellvertretend für Karl Böhm eine Bilanz ziehen. Weil die Aufnahmetechnik Kammermusikalisches mit üppiger Klangpracht verbindet? Weil einfach alles passt und stimmt? Natürlich singt Jessye Norman die Sopranpartie ganz fabelhaft, aber das erklärt nicht den Sog, den vor allem der erste Satz entfaltet. Für diesen braucht Karl Böhm fast 19 Minuten und damit einige mehr als die Kollegen in meinem CD-Regal, die alle - auch Karajan 1963 - in einer knappen oder guten Viertelstunde damit fertig sind. (Notabene das Adagio: Böhm 1980 mehr als 18 Minuten, Abado 2000 nur zwölf! Wenn Sir Roger ahnte, dass ich's auch in der Langversion schön finde...)

Karajan!

Götz Thieme hat einen tiefschürfenden Artikel zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans in die Stuttgarter Zeitung geschrieben (Osterausgabe, 29. März, leider nicht online zu lesen). Sehr anregend fand ich die Feststellung, Karajan habe "die mechanische Reproduktion der Musik nicht als Augenblicksfotografie eines konzertähnlichen Ereignisses, sondern als autonomen Abdruck des musikalischen Kunstwerks, als eigenwertiges Produkt" verstanden. Vielleicht bin ich unter anderem deshalb nach wie vor ein Karajan-Anhänger (wenngleich nicht quer durchs Repertoire, aber doch bei Wagner, Verdi, Strauss und einigem mehr)? Ich bin nun mal kein Freund von Live-Aufnahmen und auch keiner von historischen Tondokumenten; finde es daher legitim, dass eine Studioproduktion jene gewisse Dynamik entwickelt, die sich vom Konzerteindruck entfernen kann und darf. Ich finde es auch ganz unbedenklich, dass Sängerinnen und Sänger auf Platte bzw. CD Partien aufgenommen haben, die sie auf der Bühne nie sangen (der Vorwurf, dies veranlasst zu haben, ging ja auch oft an Karajan: Katia Ricciarelli als Turandot war seine Erfindung). Was hätten wir denn sonst an Aufnahmen von Jessye Norman? Letztere hat meines Wissens nur eine einzige Aufnahme mit Karajan gemacht: Isoldes Liebestod (einer meiner Favoriten, wobei das, pikant für mich, wohl gar eine Live-Aufnahme ist...). Meine Karajan-Spitzenreiter außerdem, in Auswahl: Verdis "Don Carlos", Strauss' "Rosenkavalier" (jawohl! der neue aus den Achtzigern, nicht der alte mit Schwarzkopf) und für mich unübertroffen im Hinblick auf die Orchesterleitsung: "Parsifal".

Hier eine Trouvaille aus YouTube: Normans und Karajans Liebestod. Zwei Mal auf den Pfeil klicken, dann geht es los.

Samstag, 22. März 2008

Du Liebe Scherz

Ach! Nein, Elisabeth Schwarzkopf ist nicht mein Fall. In der Matthäus-Passion unter Otto Klemperer, ansonsten in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, nuschelt sie so manieriert vor sich hin, dass man in ihrer Arie "du Liebe Scherz" statt "du liebes Herz" zu hören glaubt. Aber eigentlich wollte ich etwas über Christa Ludwig schreiben, nachdem ich gerade einen Schock erlitt und dank Amazons angehängten z-Shops gleich überwinden konnte: Offensichtlich zählt auch Ludwigs Interpretation der "Winterreise" zu jenen CDs, die ich mal verliehen habe und niemals wiedersah. Aber nun ist ja alles gut, es gibt sie zwar nicht mehr im Handel, aber doch antiquarisch (sagt man so auch bei CDs?). Christa Ludwig, noch ein ach! Sie zählt wirklich zu den Großen, und in eben jener Matthäus-Passion ist die Distanz zu Schwarzkopf riesig: Ludwig singt ganz schlicht und könnte, wäre da nicht die breit ausmusizierte Begleitung, gut und gerne als "historisch informiert" durchgehen. Ein Mal habe ich sie live gehört, ein Liederabend im sommerlichen Arles, unvergessen. Und auf vielen, vielen Schallplatten - nicht zu übertreffen bei so vielen Werken: Kindertotenlieder, Mahlers 2. und 3. Symphonie, Alt-Rhapsodie, Octavian und und und. Sicher hat Christa Ludwig gut daran getan, sich rechtzeitig von der Bühne zu verabschieden, und ich freue mich für sie, dass sie nun ohne Schal spazierengehen kann. Wie schön, dass es Aufnahmen gibt! Jetzt schiebe ich mal ihre Isolde ins Klangwunder. Schöne Feiertage!

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Wiedergehört: Kate Bush

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Lang ist es her - aber ich erinnere mich noch genau: Als Schüler saß ich gebannt vor dem Fernseher, als Kate Bush in der damals geliebten, längst verblichenen Sendung Bios Bahnhof ihren Titel "Wuthering Heights" sang. Die Stimme war ebenso ungewöhnlich wie die Attitude; zumindest ich fand das unglaublich neu, innovativ, faszinierend. Zwischenzeitlich ganz vergessen, hörte ich die CD kürzlich wieder, und jene Faszination stellte sich sofort wieder ein. Wirklich eine Ausnahmeproduktion (und meiner Meinung nach besser als alles, was Kate Bush seitdem gemacht hat).

Sonntag, 21. Oktober 2007

Wiedergehört: Mandy Patinkin

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Während des Studiums und in meinen Theaterengagements, also bis ungefähr 2000, habe ich mich viel mit Musicals befasst - vor allem mit solchen, die man in Deutschland wenig sah und hörte und besonders gern mit Stephen Sondheim. Nun entdeckte ich beim Abstauben der CDs (naja, schön wär's) die CD "Oscar and Steve" mit Mandy Patinkin, und ich muss sagen, das ist doch alles schon recht lange her... Kein Zweifel, dass er ein guter Sänger ist, aber gerade die Titel von Rodgers und Hammerstein klingen doch arg süßlich, zumal Patinkin wie meistens so exzessiv die Kopfstimme nutzt, dass man ihm immer mal wieder zurufen möchte: Sing doch endlich... (Wenn er es dann mit voller Stimme tut, ist es allerdings auch nicht immer so doll.) Pluspunkte sind aber doch die Sondheim-Songs, darunter "Poems" und "Not a day goes by", weil deren intellektuelle Prägung sich gut mit Patinkins Art der Interpretation - und dann auch mit etwas raueren Orchestrationen und Arrangements - trifft.

http://www.mandypatinkin.net
http://www.sondheimguide.com

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