Böhm und Beethoven

"Karl Böhms letzte Aufnahme", so prangte es damals wie ein Trauerflor auf der LP-Cassette: Beethovens Neunte auf zwei Platten und damals mein ganzer Stolz. Endlich mal wiedergekauft (a propos: Auch diese CD verschwand bei irgendeiner "Ausleihaktion" auf Nimmerwiedersehen) und nun gerade wiedergehört. Bei aller Neigung zum Historisch-Authentischen finde ich diese im November 1980 entstandene Aufnahme ganz außerordentlich spannend und weiß gar nicht genau zu sagen, warum. Vielleicht weil hier die Wiener Philharmoniker gleichsam mit und stellvertretend für Karl Böhm eine Bilanz ziehen. Weil die Aufnahmetechnik Kammermusikalisches mit üppiger Klangpracht verbindet? Weil einfach alles passt und stimmt? Natürlich singt Jessye Norman die Sopranpartie ganz fabelhaft, aber das erklärt nicht den Sog, den vor allem der erste Satz entfaltet. Für diesen braucht Karl Böhm fast 19 Minuten und damit einige mehr als die Kollegen in meinem CD-Regal, die alle - auch Karajan 1963 - in einer knappen oder guten Viertelstunde damit fertig sind. (Notabene das Adagio: Böhm 1980 mehr als 18 Minuten, Abado 2000 nur zwölf! Wenn Sir Roger ahnte, dass ich's auch in der Langversion schön finde...)
kulturchronist - 1. Apr, 17:00



















