Paris!
Eine Woche in der französischen Hauptstadt, nachbereitet im Netz
Fahrzeit Stuttgart-Paris: unglaubliche 3 ½ Stunden. Mit „TeeScheeWöö“, wie eine Bekannte kürzlich sagte. Der TGV scheint mir für den Fahrgast angenehmer zu sein als unser ICE, allerdings mit (noch) weniger Platz für Gepäck – auf der Rückfahrt kamen asiatische Fahrgäste mit ungefähr zwölf riesigen Koffern, die dann Eingangs- und Durchgangstüren stapelweise versperrten. Ach, die Sehnsucht nach dem guten alten Gepäckwagen!

Ankunft Paris Gare de l’Est mit prima Metro-Anschluss, sehr hübsch die Linie 7bis (heißt nur 7b, klingt doch aber viel netter), die zu meinem Quartier in den Stadtteil Buttes-Chaumont führte. Der gleichnamige Park ist aus den früheren Gipsabbaustätten entstanden, die auch den Bau der Metro erschwerten. Von Anfang an nützlich: der Stadtplan in Form eines kleinen Heftchens namens Paris Pratique. Und ebenso nützlich: Zwei Podcasts zum Französischlernen, die ich auf der Hinfahrt und dann morgens beim Joggen im Park hörte. Laetitia erzählt ganz niedlich von ihrem Alltag, und Louis macht den Podcast für englischsprachige Interessenten, was für mich einen angenehmen Doppeleffekt hatte. (Und was für einen netten Akzent er im Englischen hat!) Französisch überhaupt: Es lief ganz gut und ich bekam Komplimente, wobei mein Wortschatz mich gar nicht zufrieden stellt. Ich spreche es sehr gerne und offenbar ganz gut (man hielt mich nacheinander für einen Belgier, Schweizer oder Luxemburger – sind das nun Komplimente?) – anstrengend erscheint mir beim Französischen mehr als beim Englischen, nicht aus dem Sprachduktus zu rutschen, sozusagen „auf Niveau“ zu bleiben. Am Abend die sehr lebhafte Rue de Belleville mit schönsten Geschäften besichtigt. Torten à 40 Euro – die Geldscheine verschwinden in Paris mit einer Geschwindigkeit aus dem Portemonnaie, die ihresgleichen noch sucht. (Nein, die Torte habe ich nicht gekauft.)

Straßenbahntag! Ich fuhr die Linien T3 und T2 in jeweils voller Länge ab. Ganz unterschiedliche Strecken, die eine typisch Straßenbahn im Stadtbild, die andere eine Überlandbahn im Seinetal. Unterschiedliche Fahrzeuge auch (Citadis-Variationen, wobei auf der T3 die breitesten Trams fahren, die ich je gesehen habe), sehr komfortabel und flott. Hübsch der Hinweis: „le freinage peut être brusque“ – raue Bremsmanöver kennt man bei der Metro natürlich kaum.

Ankunft mit der T2 nach langer Fahrt in der unterirdischen Station von La Défense. Was für ein Eindruck, wenn man da ans Tageslicht kommt! Sofort bekam ich Lust, mal wieder SimCity zu spielen. Ich finde diesen Stadtteil faszinierend, wie mich überhaupt gerade bei diesem Paris-Besuch die moderne Architektur besonders angesprochen hat, mehr als das „alte“ Paris. Das gilt auch für die Cité de la Musique und das Institut du Monde Arabe, beides Mittérand-Kühnheiten aus den „grands travaux“. Nun ja, das Sonnenkönighafte der französischen Präsidenten hat auch sein Gutes, hierzulande würden solche Großprojekte wohl schnellstens zerredet („was das kostet!“). Die Cité de la Musique hatte leider für mich ungünstige Öffnungszeiten – aufgeschoben! Im Institut du Monde Arabe hingegen besuchte ich eine sehr schöne Ausstellung islamischer Kunst. Wie später im Louvre, wurde ich auch hier kontrolliert und mein Rucksack wurde durchleuchtet. Auf dem Rückweg, auf der Ile Saint Louis, „Flan au chocolat“ gegessen – ich glaube, das ist Mürbeteig mit Pudding? Jedenfalls schmeckte es fabelhaft.
Abends parallele Live-Übertragung der Feiern in Berlin und Paris im französischen Fernsehen. Alles sehr eindrucksvoll. Der Moderator bei TF1 war allerdings sehr verwundert darüber, dass das Gedenken an den Mauerfall in Deutschland viel fröhlicher inszeniert wurde als in Frankreich.
Am nächsten Tag endlich ein persönliches Treffen mit Jean Bollack, dessen Internetseiten ich seit über zwei Jahren betreue, und seiner Frau Mayotte. Beide über 80, nicht zu glauben. Ein anregendes Gespräch, das vielleicht zu einem neuen philosophisch-philologischen Blog führen wird. Danach ein rauschhaftes Erlebnis: Die Impressionisten im Musee d’Orsay. Ganz benommen war ich von den vielen Renoirs, Monets und Manets, und später enttäuscht von den Reproduktionen, die man kaufen kann. Danach ins Carrousel du Louvre, großes unterirdisches Einkaufszentrum, wo man auch Karten für den Louvre selbst im Voraus bekommt. Bei Virgin allerdings war die „billetterie en panne“, beim kleinen Tabakladen klappte es.
Donnerstag also der Louvre – schlicht sensationell. Und ja, die Mona Lisa, auf die wir am frühen Vormittag einen relativ freien, nur vom ständigen Blitzlichtern vor allem, pardon, der asiatischen Besucher beeinträchtigten Blick hatten; ja also, die Mona Lisa verfolgt uns mit ihrem Blick, so lange sie in Sicht ist.

Danach Butterbrot bei einem der vier Pariser Lokale der belgischen Kette Le pain quotidien – immer wieder erfreulich. Am angenehmsten, weil weniger überlaufen ist die Filiale in der Rue de Varenne, auch wegen des clownesken Kellners, der nur zum Spaß zwischendurch mit einem Kaffeelöffel gegen eine der Hängelampen über der „table commune“ klopfte und damit einen Kurzschluss verursachte. Und das Geschäft des CD-Labels harmonia mundi nahe der Opéra Garnier, auch sehr schön und gemütlich, weil mit übersichtlichem Sortiment ein Kontrapunkt zu den Megastores à la fnac.

Dann Versailles – nun ja. Jeder Stein des Schlosses, jeder Quadratmeter des Parks ruft „L’état c’est moi“, und eigentlich gefällt mir das nicht. Die Räumlichkeiten, ja, sie sind schön, aber auch bedrückend. Anders ist das mit den Kirchen Saint Eustache und Saint Sulpice (ja, letztere ist die aus „Sakrileg“), die beide sehr beeindruckend sind. Überhaupt die Pariser Kirchen – die Pracht ist gezügelt, streng, geheimnisvoll. Saint Eustache, wo Jean Guillou Titularorganist ist, war früher die Marktkirche und wacht nun über das im Grunde entsetzliche Einkaufszentrum Forum Les Halles, lärmend, voll, und die gesuchten CDs hatte Fnac dort beide nicht. (Der Klassikverkäufer rümpfte die Nase, weil wir ihn nach Stings Dowland-Platte fragten. Nein, Sting sei grundsätzlich beim Pop zu finden.)

Am nächsten Tag noch ein bisschen Shopping, dieses Mal in den Galeries Lafayette. Doch doch, dort ist es großartig, nicht nur, aber auch wegen der glücklicherweise rechtzeitig aufgestellten Weihnachtsdekoration. Und welch eine Auswahl von allerlei Luxusleckereien!
Schluss- und Höhepunkt: Der Besuch beim Titularorganisten von Notre-Dame, Olivier Latry, auf der Orgelempore, wo er bei jedem Dienst gewissermaßen Hof hält – Studenten, andere Organisten, mehrere Assistenten und ich, weil ich für die Philharmonie Luxemburg einen Programmhefttext vorbereite und mir die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch natürlich nicht entgehen lassen wollte. Ein angenehmer Mensch und ein märchenhaft guter Organist, dessen Improvisationen zu den beiden Messen, die ich dort oben verfolgte, ganz schön avanciert waren. Da die Kirche nach der Messe am Samstagabend auch für die Touristen geschlossen wird, hatte ich die Möglichkeit, eine völlig menschenleere Notre-Dame de Paris von der Orgelempore aus zu fotografieren. Das dürfte dann doch „einmalig“ gewesen sein.

Aber was ich noch immer nicht verstehe: Warum lässt die französische Eisenbahn ihre Passagiere immer bis zum letzten Moment im Unklaren, von welchem Gleis ihr Zug abfährt?
Fahrzeit Stuttgart-Paris: unglaubliche 3 ½ Stunden. Mit „TeeScheeWöö“, wie eine Bekannte kürzlich sagte. Der TGV scheint mir für den Fahrgast angenehmer zu sein als unser ICE, allerdings mit (noch) weniger Platz für Gepäck – auf der Rückfahrt kamen asiatische Fahrgäste mit ungefähr zwölf riesigen Koffern, die dann Eingangs- und Durchgangstüren stapelweise versperrten. Ach, die Sehnsucht nach dem guten alten Gepäckwagen!

Ankunft Paris Gare de l’Est mit prima Metro-Anschluss, sehr hübsch die Linie 7bis (heißt nur 7b, klingt doch aber viel netter), die zu meinem Quartier in den Stadtteil Buttes-Chaumont führte. Der gleichnamige Park ist aus den früheren Gipsabbaustätten entstanden, die auch den Bau der Metro erschwerten. Von Anfang an nützlich: der Stadtplan in Form eines kleinen Heftchens namens Paris Pratique. Und ebenso nützlich: Zwei Podcasts zum Französischlernen, die ich auf der Hinfahrt und dann morgens beim Joggen im Park hörte. Laetitia erzählt ganz niedlich von ihrem Alltag, und Louis macht den Podcast für englischsprachige Interessenten, was für mich einen angenehmen Doppeleffekt hatte. (Und was für einen netten Akzent er im Englischen hat!) Französisch überhaupt: Es lief ganz gut und ich bekam Komplimente, wobei mein Wortschatz mich gar nicht zufrieden stellt. Ich spreche es sehr gerne und offenbar ganz gut (man hielt mich nacheinander für einen Belgier, Schweizer oder Luxemburger – sind das nun Komplimente?) – anstrengend erscheint mir beim Französischen mehr als beim Englischen, nicht aus dem Sprachduktus zu rutschen, sozusagen „auf Niveau“ zu bleiben. Am Abend die sehr lebhafte Rue de Belleville mit schönsten Geschäften besichtigt. Torten à 40 Euro – die Geldscheine verschwinden in Paris mit einer Geschwindigkeit aus dem Portemonnaie, die ihresgleichen noch sucht. (Nein, die Torte habe ich nicht gekauft.)

Straßenbahntag! Ich fuhr die Linien T3 und T2 in jeweils voller Länge ab. Ganz unterschiedliche Strecken, die eine typisch Straßenbahn im Stadtbild, die andere eine Überlandbahn im Seinetal. Unterschiedliche Fahrzeuge auch (Citadis-Variationen, wobei auf der T3 die breitesten Trams fahren, die ich je gesehen habe), sehr komfortabel und flott. Hübsch der Hinweis: „le freinage peut être brusque“ – raue Bremsmanöver kennt man bei der Metro natürlich kaum.

Ankunft mit der T2 nach langer Fahrt in der unterirdischen Station von La Défense. Was für ein Eindruck, wenn man da ans Tageslicht kommt! Sofort bekam ich Lust, mal wieder SimCity zu spielen. Ich finde diesen Stadtteil faszinierend, wie mich überhaupt gerade bei diesem Paris-Besuch die moderne Architektur besonders angesprochen hat, mehr als das „alte“ Paris. Das gilt auch für die Cité de la Musique und das Institut du Monde Arabe, beides Mittérand-Kühnheiten aus den „grands travaux“. Nun ja, das Sonnenkönighafte der französischen Präsidenten hat auch sein Gutes, hierzulande würden solche Großprojekte wohl schnellstens zerredet („was das kostet!“). Die Cité de la Musique hatte leider für mich ungünstige Öffnungszeiten – aufgeschoben! Im Institut du Monde Arabe hingegen besuchte ich eine sehr schöne Ausstellung islamischer Kunst. Wie später im Louvre, wurde ich auch hier kontrolliert und mein Rucksack wurde durchleuchtet. Auf dem Rückweg, auf der Ile Saint Louis, „Flan au chocolat“ gegessen – ich glaube, das ist Mürbeteig mit Pudding? Jedenfalls schmeckte es fabelhaft.
Abends parallele Live-Übertragung der Feiern in Berlin und Paris im französischen Fernsehen. Alles sehr eindrucksvoll. Der Moderator bei TF1 war allerdings sehr verwundert darüber, dass das Gedenken an den Mauerfall in Deutschland viel fröhlicher inszeniert wurde als in Frankreich.
Am nächsten Tag endlich ein persönliches Treffen mit Jean Bollack, dessen Internetseiten ich seit über zwei Jahren betreue, und seiner Frau Mayotte. Beide über 80, nicht zu glauben. Ein anregendes Gespräch, das vielleicht zu einem neuen philosophisch-philologischen Blog führen wird. Danach ein rauschhaftes Erlebnis: Die Impressionisten im Musee d’Orsay. Ganz benommen war ich von den vielen Renoirs, Monets und Manets, und später enttäuscht von den Reproduktionen, die man kaufen kann. Danach ins Carrousel du Louvre, großes unterirdisches Einkaufszentrum, wo man auch Karten für den Louvre selbst im Voraus bekommt. Bei Virgin allerdings war die „billetterie en panne“, beim kleinen Tabakladen klappte es.
Donnerstag also der Louvre – schlicht sensationell. Und ja, die Mona Lisa, auf die wir am frühen Vormittag einen relativ freien, nur vom ständigen Blitzlichtern vor allem, pardon, der asiatischen Besucher beeinträchtigten Blick hatten; ja also, die Mona Lisa verfolgt uns mit ihrem Blick, so lange sie in Sicht ist.

Danach Butterbrot bei einem der vier Pariser Lokale der belgischen Kette Le pain quotidien – immer wieder erfreulich. Am angenehmsten, weil weniger überlaufen ist die Filiale in der Rue de Varenne, auch wegen des clownesken Kellners, der nur zum Spaß zwischendurch mit einem Kaffeelöffel gegen eine der Hängelampen über der „table commune“ klopfte und damit einen Kurzschluss verursachte. Und das Geschäft des CD-Labels harmonia mundi nahe der Opéra Garnier, auch sehr schön und gemütlich, weil mit übersichtlichem Sortiment ein Kontrapunkt zu den Megastores à la fnac.

Dann Versailles – nun ja. Jeder Stein des Schlosses, jeder Quadratmeter des Parks ruft „L’état c’est moi“, und eigentlich gefällt mir das nicht. Die Räumlichkeiten, ja, sie sind schön, aber auch bedrückend. Anders ist das mit den Kirchen Saint Eustache und Saint Sulpice (ja, letztere ist die aus „Sakrileg“), die beide sehr beeindruckend sind. Überhaupt die Pariser Kirchen – die Pracht ist gezügelt, streng, geheimnisvoll. Saint Eustache, wo Jean Guillou Titularorganist ist, war früher die Marktkirche und wacht nun über das im Grunde entsetzliche Einkaufszentrum Forum Les Halles, lärmend, voll, und die gesuchten CDs hatte Fnac dort beide nicht. (Der Klassikverkäufer rümpfte die Nase, weil wir ihn nach Stings Dowland-Platte fragten. Nein, Sting sei grundsätzlich beim Pop zu finden.)

Am nächsten Tag noch ein bisschen Shopping, dieses Mal in den Galeries Lafayette. Doch doch, dort ist es großartig, nicht nur, aber auch wegen der glücklicherweise rechtzeitig aufgestellten Weihnachtsdekoration. Und welch eine Auswahl von allerlei Luxusleckereien!
Schluss- und Höhepunkt: Der Besuch beim Titularorganisten von Notre-Dame, Olivier Latry, auf der Orgelempore, wo er bei jedem Dienst gewissermaßen Hof hält – Studenten, andere Organisten, mehrere Assistenten und ich, weil ich für die Philharmonie Luxemburg einen Programmhefttext vorbereite und mir die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch natürlich nicht entgehen lassen wollte. Ein angenehmer Mensch und ein märchenhaft guter Organist, dessen Improvisationen zu den beiden Messen, die ich dort oben verfolgte, ganz schön avanciert waren. Da die Kirche nach der Messe am Samstagabend auch für die Touristen geschlossen wird, hatte ich die Möglichkeit, eine völlig menschenleere Notre-Dame de Paris von der Orgelempore aus zu fotografieren. Das dürfte dann doch „einmalig“ gewesen sein.

Aber was ich noch immer nicht verstehe: Warum lässt die französische Eisenbahn ihre Passagiere immer bis zum letzten Moment im Unklaren, von welchem Gleis ihr Zug abfährt?
kulturchronist - 16. Nov, 22:37






















