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Montag, 2. November 2009

Rosenkavalier, zum ersten

Es gibt Opernabende, die einen erstmal ratlos hinterlassen. Bei manchen schleicht sich das Gefühl ein, man habe des Kaisers neue Kleidern bestaunt. Bei anderen sagt dieses Gefühl: Genialisch, aber nicht zu begreifen. Was war gestern Abend, beim neuen Stuttgarter "Rosenkavalier"? Einiges fand ich blöd, so die ausgestellten Obszönitäten. Anderes ganz prima, vor allem die Bewegungslust, mit der Stefan Herheim die großen Szenen ausarbeitet, und viele Details in der eigentlichen Personenführung. Wiederum anderes habe ich überhaupt (noch) nicht begriffen. Ich werde also baldmöglichst nochmals hingehen, dann mehr dazu - auch zur Musik, denn die fand ich gestern nur sehr mittelmäßig, was eigentlich gar nicht sein kann angesichts der nominell guten Leute am Dirigentenpult und in den Hauptpartien. Offenbar habe ich in einem akustischen Loch gesessen, wo sich auch noch ein Pfeifton nervend dazugesellte. (Nein, es war nicht mein Tinnitus! Meine Nachbarin hörte es auch!) Nun weiß ich endlich, warum es in manchen Theatern die Reihe 13 nicht gibt!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Eine Überraschung

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Zwar mussten seinerzeit auch die Vorauskritiker (Cruise als Stauffenberg! Schrecklich!) nach Ansicht des Films zugeben, dass er nicht übel ist. Ich habe ihn im Kino verpasst und war nun sehr positiv überrascht. Ein wirklich guter Film, und gegen Tom Cruise ist eigentlich gar nichts einzuwenden (außer dass ich Thomas Kretschmann in dieser Rolle doch ein bisschen lieber gesehen hätte). Lohnt sich, die DVD.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Mit Versatzstücken zur Unverständlichkeit

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Gestern Premiere im Schauspiel Stuttgart: Judith, u.a. nach Hebbel und mit Versatzstücken von Antonio Vivaldi. Da ich nicht als Rezensent dort war, sondern privat, sage ich ganz subjektiv: Ich fand es furchtbar. Vielleicht weil ich Schauspiel nicht gewohnt bin? Alles in Einzelteile zu zerhacken und einiges davon dann virtuos zu inszenieren, so dass der Zuschauer überschwemmt wird von rasendem Tempo und grausiger Obszönität, ist das gut? Ich bin ratlos. Was ich allerdings zu beurteilen vermag, ist, wie die Musik von Vivaldi hier eingesetzt wird und unter die Räder gerät. Ein aufgeregt herumrennender Countertenor, ein wichtig mimendes Gesangsquartett und - was gut war - eine Judith-Sängerin von einsamer Größe, Geschrei in diese Musik hinein, Überlagerung aller Spielebenen um den Preis der völligen Unverständlichkeit? Vielleicht komme ich deshalb mit anspruchsvollstem Musiktheater zurecht, aber nicht mit dieser Art Schauspiel: Weil ich einer Inszenierung Respekt vor einem Werk abverlange. Hier jedoch scheinen mir diese Proportionen nicht gestimmt und die Produzenten aus vielen Versatzstücken nichts Gültiges geformt zu haben. Eine teils aus der Pressemitteilung gespeiste Rezension gibt es heute schon online im Focus.

Donnerstag, 20. August 2009

Zwei schöne, einfache Filme

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Mit einfachen Mitteln kann man schöne Filme machen, die gar nicht nach "Low Budget" aussehen. Zwei davon - erschienen in dem Schatzkästlein Große Kinomomente des Kulturspiegel - sind Transamerica und Das geheime Leben der Worte. Letzterer behandelt indirekt den Krieg in Bosnien, gespiegelt durch das Verhalten und Schweigen einer Betroffenen, das wiederum gespiegelt wird durch das Reden eines schwer Brandverletzten. Seltsam, dass Regisseurin Isabel Coixet offenbar unbedingt einen Star wie Julie Christie einbauen wollte, die nun reichlich unmotiviert, selbstgefällig, zickig und völlig überflüssig einen Vortrag über den Krieg halten muss, der die berührende, beunruhigende Wirkung des Films zum Thema "Vergessene Kriege" schwächt statt verstärkt. Da wäre weniger mehr gewesen: Gerade weil man lange Zeit nur ahnt, was passiert ist, und die schlimme Ahnung dann noch übertroffen wird, ist es so schockierend, und man darf doch davon ausgehen, dass der sensible Zuschauer sich den moralischen Vortrag gleichsam selbst hält. Ebenso wie Transamerica hat der Film ein zerbrechliches Happy End, bei dem man sich viel hinzudenken muss und sich wünscht, in die Zukunft sehen zu können. Ganz ähnlich ist auch die Konzentration auf zwei Hauptfiguren, die ihre Probleme erst nach langer Anlaufzeit aussprechen, geschweige denn miteinander be-sprechen können. Ruhige Filme mit Tiefgang, sehr schön.

Sonntag, 9. August 2009

Charlies Geheimnis

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Wieder einer jener seltsamen französischen Filme, bei denen man sich die Hälfte dazudenken muss. (Ich erinnere mich an meinen Großvater, der, wenn insbesondere ein Krimi ein relativ offenes Ende hatte, immer nörgelte: "Jetzt müsste man doch sehen, wie der abgeführt wird!") Selon Charlie [Link in französisch] hat mir aber, damit wir uns nicht missverstehen, sehr gut gefallen; es ist ein einerseits alltäglicher, andererseits rätselhafter Film, dessen Figuren sich nie preisgeben, sondern ihr Geheimnis behalten oder, falls sie vielleicht keins haben, wenigstens so tun... Mir gefallen auch hier das bruchlose Miteinander von tragischen und komischen Zügen, die ausgiebigen Dialoge, die oberflächlich schlichten, auf den zweiten Blick aber doch vielschichtigen Bilder.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Stuttgarts neu-alter "Tristan"

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Das war doch endlich mal wieder ein richtig "großer" Opernabend im Stuttgarter Staatstheater. "Tristan und Isolde" in komplett neuer - und fast durchweg sehr guter! - Besetzung, mit einem überraschenden Dirigenten am Pult (Leopold Hager), der das ansonsten ja oft dem Mittelmaß frönende Orchester zu unerwarteten Höhenflügen animierte. Die Inszenierung von Luc Perceval fiel 2004 bei Publikum und Presse durch - lag's an der damaligen Besetzung der Titelrollen? (Wegen denen habe ich es mir seinerzeit nicht angesehen.) Jedenfalls wirkte bei der Wiederaufnahme auch die kritisierte Statik sehr durchdacht, weil erfüllt, und den vermeintlichen Todestrank als Selbstmordabsicht zu deuten, der die schon längst vorhandene, aber geleugnete Liebe erst recht hervortreibt, das finde ich eigentlich ziemlich genial. Feine Sache!

Mittwoch, 29. Juli 2009

Wie traurig, wie schön

Dass die traurigen Geschichten eben doch die schönsten sind, bestätigte sich mit dem Film Als das Meer verschwand, eine neuseeländische Produktion von 2006. Matthew MacFadyen ist ein sehr guter Schauspieler, und vielseitig, denn nach dem rätselhaften Journalisten in besagtem Film spielte er so Verschiedenes wie Mister Darcy in Stolz und Vorurteil sowie die Hauptrolle in Sterben für Anfänger. "Als das Meer verschwand" ist eine wahrlich todtraurige Geschichte, und berührend erzählt: Man ahnt etwas Tragisches, aber es kommt noch schlimmer.

Samstag, 18. Juli 2009

Zwei Filme

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Ein langer Filmabend im geschätzten Atelier am Bollwerk. Meine nicht besonders gute Laune hat der Film Alle anderen eher noch verschlechtert; erst im Nachhinein erkenne ich einige Qualitäten, aber während des Films war ich eher genervt. Vielleicht weil die Situationen und Dialoge so treffend waren? Möglich. Aber ehrlich gesagt war mir dieser Film zu wenig "Film", will sagen zu wenig "Kunst". Danach Affären à la carte, ein unfairer Vergleich, mag sein, aber den Film finde ich meisterhaft. Durchaus nicht nur amüsant, aber mit dem gewissen Augenzwinkern auch in den tragischen Aspekten - das gefällt mir. Und das richtige Quantum melancholie à la francaise, sehr schön.

Montag, 13. Juli 2009

Nachmittags im Garten by (bei?) Andreas Scholl



Andreas Scholl ist offensichtlich nicht nur ein begnadeter, wunderbarer Sänger. Vorgestern entdeckte ich seine Youtube-Seite und dort diese Video-Impressionen eines frühsommerlichen Nachmittags mit sympathischen Leuten und nicht zuletzt zwei Katzen. (Meine alte Dame bedankt sich für die Anregung, sie am Köpfchen von hinten nach vorne zu kraulen!) Als Sänger sahen und hörten wir Scholl vor mittlerweile auch schon wieder fast einem Monat bei der Schubertiade im Angelika-Kaufmann-Saal in Schwarzenberg, einem ganz eigenen Festspielort - wo sonst kann man während des Konzerts durch zwei Fenster in die Berge sehen und in der Pause ein derartiges Panorama genießen? Und vor dem Konzert wandern? Und danach in ein exquisites Café namens Angelikahöhe gehen? Alles fantastisch.

Sonntag, 17. Mai 2009

Everybody's Darling - gut so

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Wohl noch nie sind praktisch alle einverstanden gewesen mit einem Gewinner des Eurovision Song Contest - bis gestern. Was soll man zu dem Kantersieg Norwegens sagen, außer dass er vollkommen berechtigt war? Ein toller Abend war's, und ein musikalisch erfreulicher. Schön, dass endlich mal wieder Großbritannien und Frankreich gute Musik schickten und damit verdiente gute Plätze erreichten, und schön, dass die Top Ten ein prima Abbild des (ganzen!) neuen Europa abgeben. (Und ich darf mich damit brüsten, dass ich acht von denen vorausgesagt habe, wenn auch bis auf den Sieger nicht ganz in der richtigen Reihenfolge.) Tja, und Deutschland? Es war eigentlich ganz ordentlich, das Lied ist gutes Mittelmaß, der Sänger recht versiert, und der so genannte Striptease mit Didi wer hat nicht allzu sehr gestört. Aber das Dilemma, dass der NDR auch mit interner Vorauswahl nicht überwunden hat, ist das mangelnde Gespür für den internationalen Geschmack. (Warum beispielsweise holt man einen Amerikaner und nicht gleich einen Russen, wenn man schon im Lande nichts findet oder Absagen renommierter Interpreten eingefahren hat?) Schade drum, aber nehmen wir es sportlich wie Finnland, das unverdrossen mitmacht, auch nur ein Mal gewann und gestern wieder einmal Letzter wurde.

http://www.eurovision.tv

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