Frieden und Krieg
Die Stuttgarter Philharmoniker eröffnen im Beethovensaal ihre Saisonreihe mit dem Motto „Krieg und Frieden" - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht heute)
Wenn das nicht günstig ist! Als „schwabenkompatibel" pries der Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker, Gabriel Feltz, im Beethovensaal das Programmbuch zur Konzertreihe „Sextett". Nur drei Euro soll es kosten, inklusive CD!, und es umkreist das Saisonmotto „Krieg und Frieden". Bevor Feltz dem Gastdirigenten Gerd Albrecht das philharmonische Pult überließ, beschwor er die gute Nachbarschaft zur Tschechischen Republik, wo ausgerechnet Albrecht in den neunziger Jahren als erster ausländischer Chef der Tschechischen Philharmonie intrigant abgehalftert worden war. Im Beethovensaal stand nun der Philharmonische Chor aus Stuttgarts Partnerstadt Brünn auf dem Podium, und auch die Gesangssolisten waren aus Tschechien angereist.
Mit offenem Hemdkragen dirigierte Gerd Albrecht ein ungewöhnliches Programm, das das Motto zu „Frieden und Krieg" verkehrte. Carl Maria von Webers Konzertstück für Klavier und Orchester und Ludwig van Beethovens Chorfantasie haben gemeinsam, dass sie Experimentierstücke waren, Spielwiesen für Größeres insbesondere im Falle Beethovens, der hier Klaviersolo, Orchester und Chor ungeniert spielerisch kombinierte. Der Pianist Andreas Boyde, als Mensch bescheiden, als Musiker brillant, warf sich engagiert und mit apartem Mienenspiel in seine Solopartien. Dass das Werk von heute aus wie eine naive Miniatur von Beethovens Neunter wirkt, konnten er und die fein abtönenden Philharmoniker nicht verhindern.
Nach der Pause folgte dem friedlichen Geplänkel der musikalische Krieg. Sergej Prokofjews Kantate „Alexander Newski" basiert auf seiner Musik zu Sergej Eisensteins gleichnamigen Film aus dem Jahre 1938. Dieses Kinostück - es geht um einen Konflikt zwischen Russen und Deutschem Orden im 13. Jahrhundert - mutierte nach 1941 flugs zum Durchhaltefilm für die sowjetische Armee.
Unbefangen kann man Prokofjews Kantate deshalb nicht mehr hören. Sie ist ein hochdramatisches Klanggemälde mit bildhafter bis aufdringlicher, gewaltiger bis gewalttätiger Musik, in der Prokofjew streckenweise fast sarkastisch seinem Affen Zucker gab. Gerd Albrecht motivierte die Stuttgarter Philharmoniker mit eingeschränkter Gestik zu guter Leistung, während der Chor zwar korrekt, aber nie wirklich glanzvoll sang. Sehr schöne Töne voll Trauer und Hoffnung bot Jana Sykorova mit angenehm kernigem Mezzosopran. Im nur mäßig besetzten Beethovensaal brandete mehrfach der Jubel.
http://www.stuttgart.de/philharmoniker
Wenn das nicht günstig ist! Als „schwabenkompatibel" pries der Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker, Gabriel Feltz, im Beethovensaal das Programmbuch zur Konzertreihe „Sextett". Nur drei Euro soll es kosten, inklusive CD!, und es umkreist das Saisonmotto „Krieg und Frieden". Bevor Feltz dem Gastdirigenten Gerd Albrecht das philharmonische Pult überließ, beschwor er die gute Nachbarschaft zur Tschechischen Republik, wo ausgerechnet Albrecht in den neunziger Jahren als erster ausländischer Chef der Tschechischen Philharmonie intrigant abgehalftert worden war. Im Beethovensaal stand nun der Philharmonische Chor aus Stuttgarts Partnerstadt Brünn auf dem Podium, und auch die Gesangssolisten waren aus Tschechien angereist.
Mit offenem Hemdkragen dirigierte Gerd Albrecht ein ungewöhnliches Programm, das das Motto zu „Frieden und Krieg" verkehrte. Carl Maria von Webers Konzertstück für Klavier und Orchester und Ludwig van Beethovens Chorfantasie haben gemeinsam, dass sie Experimentierstücke waren, Spielwiesen für Größeres insbesondere im Falle Beethovens, der hier Klaviersolo, Orchester und Chor ungeniert spielerisch kombinierte. Der Pianist Andreas Boyde, als Mensch bescheiden, als Musiker brillant, warf sich engagiert und mit apartem Mienenspiel in seine Solopartien. Dass das Werk von heute aus wie eine naive Miniatur von Beethovens Neunter wirkt, konnten er und die fein abtönenden Philharmoniker nicht verhindern.
Nach der Pause folgte dem friedlichen Geplänkel der musikalische Krieg. Sergej Prokofjews Kantate „Alexander Newski" basiert auf seiner Musik zu Sergej Eisensteins gleichnamigen Film aus dem Jahre 1938. Dieses Kinostück - es geht um einen Konflikt zwischen Russen und Deutschem Orden im 13. Jahrhundert - mutierte nach 1941 flugs zum Durchhaltefilm für die sowjetische Armee.
Unbefangen kann man Prokofjews Kantate deshalb nicht mehr hören. Sie ist ein hochdramatisches Klanggemälde mit bildhafter bis aufdringlicher, gewaltiger bis gewalttätiger Musik, in der Prokofjew streckenweise fast sarkastisch seinem Affen Zucker gab. Gerd Albrecht motivierte die Stuttgarter Philharmoniker mit eingeschränkter Gestik zu guter Leistung, während der Chor zwar korrekt, aber nie wirklich glanzvoll sang. Sehr schöne Töne voll Trauer und Hoffnung bot Jana Sykorova mit angenehm kernigem Mezzosopran. Im nur mäßig besetzten Beethovensaal brandete mehrfach der Jubel.
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kulturchronist - 12. Okt, 13:26
















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