Mit Versatzstücken zur Unverständlichkeit

Gestern Premiere im Schauspiel Stuttgart: Judith, u.a. nach Hebbel und mit Versatzstücken von Antonio Vivaldi. Da ich nicht als Rezensent dort war, sondern privat, sage ich ganz subjektiv: Ich fand es furchtbar. Vielleicht weil ich Schauspiel nicht gewohnt bin? Alles in Einzelteile zu zerhacken und einiges davon dann virtuos zu inszenieren, so dass der Zuschauer überschwemmt wird von rasendem Tempo und grausiger Obszönität, ist das gut? Ich bin ratlos. Was ich allerdings zu beurteilen vermag, ist, wie die Musik von Vivaldi hier eingesetzt wird und unter die Räder gerät. Ein aufgeregt herumrennender Countertenor, ein wichtig mimendes Gesangsquartett und - was gut war - eine Judith-Sängerin von einsamer Größe, Geschrei in diese Musik hinein, Überlagerung aller Spielebenen um den Preis der völligen Unverständlichkeit? Vielleicht komme ich deshalb mit anspruchsvollstem Musiktheater zurecht, aber nicht mit dieser Art Schauspiel: Weil ich einer Inszenierung Respekt vor einem Werk abverlange. Hier jedoch scheinen mir diese Proportionen nicht gestimmt und die Produzenten aus vielen Versatzstücken nichts Gültiges geformt zu haben. Eine teils aus der Pressemitteilung gespeiste Rezension gibt es heute schon online im Focus.
kulturchronist - 11. Okt, 18:21
















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