Streit um des Kaisers Bart
Ein Streit um des Kaisers Bart sei es, wenn es um eine Kleinigkeit oder eine belanglose Angelegenheit gehe, sagt ein Lexikon. Eine Kleinigkeit sind Überhangmandate sicher nicht, aber belanglos ist der aktuelle Streit (der den Wahlkampf nicht wirklich aufpeppt) eben doch. Was sollte Merkel denn tun, wenn ihre mögliche Mehrheit sich auf Überhangmandate stutzt? Auf die Regierungsbildung verzichten? Oder große Koalition machen, weil das irgendwie "ehrlicher" wäre? Wie wäre es umgekehrt, was täte die SPD? Gar nichts täte sie, denn 2002, als Schröders knappe Mehrheit sich auf Überhangmandate stützte, rief niemand "geklaut" oder "illegitim". Und überhaupt, die SPD hat die von den kleinen Parteien beantragte Änderung des Wahlrechts mit Abschaffung der in der Tat nicht so ganz astreinen Überhangmandate ja mit abgelehnt (vermutlich im Gedenken an 2002). Und nun ist die Not groß. Wie sagt die Hauptdarstellerin in einem Film, den ich aus ästhetischen Gründen nicht nennen mag, aber dennoch gerne zitiere (ich weiß, das ist auch nicht astrein): "Das hättste dir ja früher überlegen können".
kulturchronist - 22. Sep, 09:40















