Der Weg in die Katastrophe
„Eugen Onegin“ in einer Produktion der Musikhochschule – Rezension für die Stuttgarter Zeitung, veröffentlicht am 12.06.2009
Manchmal spielen Kinder „erwachsen“, und nicht wenige Erwachsene verhalten sich, milde gesagt, hin und wieder kindlich. Wenn Jugendliche sich überfordern mit Coolness oder übergroßem Gefühl und Herangewachsene partout nicht reifen wollen, kann das peinlich sein – oder katastrophal. In dieser prekären Grauzone bewegen sich die Figuren in Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“. Dass es sich bei den Hauptpersonen um halbe Kinder handelt, zeigt die Inszenierung von Matthias Schönfeld mit Studierenden der Stuttgarter Musikhochschule im Wilhelma-Theater in bestürzender Klarheit.
So zahlt sich die Kühnheit aus, „Eugen Onegin“ in derselben Saison zu zeigen wie die Staatsoper. Dass die Musikhochschule, nimmt man es sportlich, mindestens ein Remis erzielt, liegt nicht nur an der jungen Besetzung der Hauptrollen, deren Darsteller mit ihren russisch gesungenen Partien kaum einmal überfordert sind. Ein kleiner Geniestreich ist auch die Bühne von Kersten Paulsen: Sie nimmt den schmucken Zuschauerraum des Wilhelma-Theaters auf, dekoriert sparsam mit variablen Stuhlreihen und schafft verblüffend weite Räume, in denen Schönfelds subtile Personenregie ihre werkdienlich intensive Wirkung entfalten kann.
Mit dem Stuttgarter Kammerorchester und Mitgliedern des Hochschulorchesters lichtet der Dirigent Per Borin die zartgliedrige Musik fein ausbalanciert auf. Das tut den Sängern gut, von denen Larissa Ciulei als Tatjana die souveränste Leistung erbringt und den erzwungenen Wandel vom Backfisch zur schönen Frau glaubhaft macht. Byeong In Park steht ihr als kerniger Titelheld kaum nach, und Hyun Ouk Cho als sein Freundfeind Lenski legt in seiner anrührend gestalteten Arie die vorher hinderliche Nervosität ab. Prima besetzt waren auch die kleineren Rollen in diesem Ensemblestück – alles in allem eine imponierende Leistung.
http://www.wilhelma-theater.de
Manchmal spielen Kinder „erwachsen“, und nicht wenige Erwachsene verhalten sich, milde gesagt, hin und wieder kindlich. Wenn Jugendliche sich überfordern mit Coolness oder übergroßem Gefühl und Herangewachsene partout nicht reifen wollen, kann das peinlich sein – oder katastrophal. In dieser prekären Grauzone bewegen sich die Figuren in Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“. Dass es sich bei den Hauptpersonen um halbe Kinder handelt, zeigt die Inszenierung von Matthias Schönfeld mit Studierenden der Stuttgarter Musikhochschule im Wilhelma-Theater in bestürzender Klarheit.
So zahlt sich die Kühnheit aus, „Eugen Onegin“ in derselben Saison zu zeigen wie die Staatsoper. Dass die Musikhochschule, nimmt man es sportlich, mindestens ein Remis erzielt, liegt nicht nur an der jungen Besetzung der Hauptrollen, deren Darsteller mit ihren russisch gesungenen Partien kaum einmal überfordert sind. Ein kleiner Geniestreich ist auch die Bühne von Kersten Paulsen: Sie nimmt den schmucken Zuschauerraum des Wilhelma-Theaters auf, dekoriert sparsam mit variablen Stuhlreihen und schafft verblüffend weite Räume, in denen Schönfelds subtile Personenregie ihre werkdienlich intensive Wirkung entfalten kann.
Mit dem Stuttgarter Kammerorchester und Mitgliedern des Hochschulorchesters lichtet der Dirigent Per Borin die zartgliedrige Musik fein ausbalanciert auf. Das tut den Sängern gut, von denen Larissa Ciulei als Tatjana die souveränste Leistung erbringt und den erzwungenen Wandel vom Backfisch zur schönen Frau glaubhaft macht. Byeong In Park steht ihr als kerniger Titelheld kaum nach, und Hyun Ouk Cho als sein Freundfeind Lenski legt in seiner anrührend gestalteten Arie die vorher hinderliche Nervosität ab. Prima besetzt waren auch die kleineren Rollen in diesem Ensemblestück – alles in allem eine imponierende Leistung.
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kulturchronist - 22. Jun, 21:10
















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