Der Unaussprechliche: Charles Koechlin
Beitrag für das Journal des Europäischen Musikfestes Stuttgart 2008
Vielleicht ist Charles Koechlin so wenig bekannt, weil sein Name so schwer auszusprechen ist? Keck – und dann der berüchtigte französische Nasallaut, das wäre die korrekte Version. Es ist aber keine Schande, den Komponisten ›deutsch‹ auszusprechen, stammt die Familie doch aus dem Elsass, wo man sogar schon ›Köschlihn« gehört haben soll.
Die phonetische Hürde sollte jedenfalls niemanden vom Besuch des ganz und gar einmaligen Konzertes am Sonntagabend abhalten. Koechlins Offrande musicale, ein von Bachs Musikalischem Opfer inspiriertes, in den 1940er Jahren entstandenes, riesiges Orchesterwerk, wurde seitdem nur ein einziges Mal aufgeführt: 1973 in Frankfurt am Main, lange nach dem Tod des Komponisten.
Dass Offrande musicale nun beim Musikfest erklingt, ist nicht zuletzt dem Engagement von Otfrid Nies zu verdanken. Der langjährige Konzertmeister des Staatstheaters Kassel war 1965 von einer Schallplatte mit Koechlins Bandar-log so fasziniert, dass er sich auf die Suche nach weiteren Werken des kaum bekannten Komponisten machte. »In staubigen Pariser Antiquariaten« sei er unter die Regale gekrochen, um die wenigen Notenausgaben aufzutreiben, erzählt Nies. Er initiierte Koechlin-Aufführungen in Kassel, nahm Kontakt zur Familie des 1950 verstorbenen Komponisten auf und wurde nach und nach zum weithin anerkannten Koechlin-Experten – Makler und Archivar zugleich.
Geradezu beglückt ist Otfrid Nies durch den Aufführungs- und Aufnahmezyklus von SWR und Hänssler-Verlag, der nun einem Höhepunkt entgegensteuert. Koechlin sei ein »stiller Revolutionär« gewesen, so Nies, er habe keine Glanzstücke für Dirigenten komponiert und erfordere vom Publikum Konzentration. So gesehen, hat er einiges mit dem anderen französischen ›Solitär‹ des 20. Jahrhunderts, Olivier Messiaen, gemein. Der sei aber, hebt Nies hervor, mehr als vierzig Jahre jünger als Koechlin. Letzterer habe zudem, jenseits öffentlicher Wirkung, enormen Einfluss als Pädagoge gehabt.
Seine Position als Konzertmeister hat Otfrid Nies inzwischen aufgegeben, nicht zuletzt um für die Koechlin-Aufführungen des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart die Notenausgaben zu besorgen, die es von vielen Werken nur fehlerhaft und von anderen gar nicht gibt. Mit Genugtuung blickt er auf die neue, wie er sagt, »Koechlin-Hochburg Stuttgart« und freut sich darauf, gemeinsam mit dem Dirigenten Heinz Holliger, einem weiteren ›Fan‹ des Komponisten, beim Konzert am Sonntag in dessen Werk einzuführen.
Vielleicht ist Charles Koechlin so wenig bekannt, weil sein Name so schwer auszusprechen ist? Keck – und dann der berüchtigte französische Nasallaut, das wäre die korrekte Version. Es ist aber keine Schande, den Komponisten ›deutsch‹ auszusprechen, stammt die Familie doch aus dem Elsass, wo man sogar schon ›Köschlihn« gehört haben soll.
Die phonetische Hürde sollte jedenfalls niemanden vom Besuch des ganz und gar einmaligen Konzertes am Sonntagabend abhalten. Koechlins Offrande musicale, ein von Bachs Musikalischem Opfer inspiriertes, in den 1940er Jahren entstandenes, riesiges Orchesterwerk, wurde seitdem nur ein einziges Mal aufgeführt: 1973 in Frankfurt am Main, lange nach dem Tod des Komponisten.
Dass Offrande musicale nun beim Musikfest erklingt, ist nicht zuletzt dem Engagement von Otfrid Nies zu verdanken. Der langjährige Konzertmeister des Staatstheaters Kassel war 1965 von einer Schallplatte mit Koechlins Bandar-log so fasziniert, dass er sich auf die Suche nach weiteren Werken des kaum bekannten Komponisten machte. »In staubigen Pariser Antiquariaten« sei er unter die Regale gekrochen, um die wenigen Notenausgaben aufzutreiben, erzählt Nies. Er initiierte Koechlin-Aufführungen in Kassel, nahm Kontakt zur Familie des 1950 verstorbenen Komponisten auf und wurde nach und nach zum weithin anerkannten Koechlin-Experten – Makler und Archivar zugleich.
Geradezu beglückt ist Otfrid Nies durch den Aufführungs- und Aufnahmezyklus von SWR und Hänssler-Verlag, der nun einem Höhepunkt entgegensteuert. Koechlin sei ein »stiller Revolutionär« gewesen, so Nies, er habe keine Glanzstücke für Dirigenten komponiert und erfordere vom Publikum Konzentration. So gesehen, hat er einiges mit dem anderen französischen ›Solitär‹ des 20. Jahrhunderts, Olivier Messiaen, gemein. Der sei aber, hebt Nies hervor, mehr als vierzig Jahre jünger als Koechlin. Letzterer habe zudem, jenseits öffentlicher Wirkung, enormen Einfluss als Pädagoge gehabt.
Seine Position als Konzertmeister hat Otfrid Nies inzwischen aufgegeben, nicht zuletzt um für die Koechlin-Aufführungen des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart die Notenausgaben zu besorgen, die es von vielen Werken nur fehlerhaft und von anderen gar nicht gibt. Mit Genugtuung blickt er auf die neue, wie er sagt, »Koechlin-Hochburg Stuttgart« und freut sich darauf, gemeinsam mit dem Dirigenten Heinz Holliger, einem weiteren ›Fan‹ des Komponisten, beim Konzert am Sonntag in dessen Werk einzuführen.
kulturchronist - 28. Aug, 20:58






