Geblendet vom neuen Leben
Die etwas andere "Alceste": Anton Schweitzers Kammeroper bei den Luwigsburger Festspielen - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (Aufführung am 05.07.2008)
Admet liegt im Sterben, seine Gattin Alceste bietet sich den Göttern als Tauschobjekt an, damit ihr Mann weiterlebe. Das kann der Genesene nicht verwinden und verfällt in eine Depression, bis ein muskulöser Freund des Hauses die Verstorbene zurückholt - mit Kraftmeierei und guten Beziehungen: Nicht umsonst lautet sein Name Herkules. Da Admet nicht zurückgetauscht werden muss, ist das Ende glücklich.
Während Christoph Willibald Gluck, wie kürzlich in Stuttgart zu besichtigen, aus dem "Alceste"-Stoff eine ausladende Reformoper schöpfte, verdichteten am Weimarer Hof zur gleichen Zeit, um 1770 herum, Christoph Martin Wieland und Anton Schweitzer die Sache zu einem Kammerspiel. Außer den Genannten tritt nur noch Alcestes Schwester in Erscheinung, dazu ein bisschen Chor.
Mag die Diskrepanz zwischen Stoff und Realisierung zunächst auch irritieren - auf den zweiten Blick wirkt diese Oper in ihrer Konzentration aufs Wesentliche richtig modern. Es war also gut, dieses Werk zur Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar auszugraben und es dann auch auf eine Reise zu schicken, die nun zu den Ludwigsburger Festspielen und dort ins Schlosstheater geführt hat.
Während die Bühne umständehalber mit bescheidenen Mitteln auskommen muss, ist für die Musik ein Ensemble von Rang aufgeboten: Das Concerto Köln, wenngleich am ersten von zwei Ludwigsburger "Alceste"-Abenden mehrmals von Trübungen befallen, legt unter Michael Hofstetters vorwärtstreibender Leitung viel Ehre für den vergessenen Hofkomponisten Schweitzer ein. Und was hat der für eine erstaunliche Musik geschrieben! Die Arien abwechslungsreich, die Rezitative mit vielfarbiger orchestraler Grundierung und doch ganz nah an Wielands ebenmäßiger Sprache.
Den Sängern mutet Schweitzer einiges zu, und dass Simone Schneider in der Titelrolle so auffällig hell strahlt, liegt nicht nur daran, dass sie eine sehr gute Sängerin ist, die seit einiger Zeit an jeder Aufgabe immer noch weiter wächst. Es liegt auch daran, dass Christoph Genz (Admet) und Josef Wagner (Herkules) bei aller Tonschönheit ein wenig sorglos mit ihren Partien umgehen. Und Emma Pearson kann die Aufgabe, als Parthenia die eigentlich angekündigte Cynthia Sieden zu ersetzen, im Hinblick auf die virtuosen Koloraturen nicht vollständig meistern.
Darstellerisch haben sie allesamt kein Problem, Hendrik Müllers zweckdienliche Regie umzusetzen. Ob aber die stumme Garnitur durch Diener und Täubchen mehr bringt als ein wenig Ablenkung? Die damit angestrebte Mehrdeutigkeit konterkariert Müller selbst durch einige durchaus erfrischende Albernheiten. Berührend der Schluss: Wenn Alceste wiederkommt, wirkt sie lange wie geblendet vom neuen Leben. Ganz unbeschädigt steht eben niemand vom Tode auf.
Die nächste Aufführung der Oper findet am 21. November in der Stadthalle Biberach statt. Die Aufzeichnung der Weimarer Premiere ist auf CD und DVD erhältlich.
http://www.schlossfestspiele.de
Admet liegt im Sterben, seine Gattin Alceste bietet sich den Göttern als Tauschobjekt an, damit ihr Mann weiterlebe. Das kann der Genesene nicht verwinden und verfällt in eine Depression, bis ein muskulöser Freund des Hauses die Verstorbene zurückholt - mit Kraftmeierei und guten Beziehungen: Nicht umsonst lautet sein Name Herkules. Da Admet nicht zurückgetauscht werden muss, ist das Ende glücklich.
Während Christoph Willibald Gluck, wie kürzlich in Stuttgart zu besichtigen, aus dem "Alceste"-Stoff eine ausladende Reformoper schöpfte, verdichteten am Weimarer Hof zur gleichen Zeit, um 1770 herum, Christoph Martin Wieland und Anton Schweitzer die Sache zu einem Kammerspiel. Außer den Genannten tritt nur noch Alcestes Schwester in Erscheinung, dazu ein bisschen Chor.
Mag die Diskrepanz zwischen Stoff und Realisierung zunächst auch irritieren - auf den zweiten Blick wirkt diese Oper in ihrer Konzentration aufs Wesentliche richtig modern. Es war also gut, dieses Werk zur Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar auszugraben und es dann auch auf eine Reise zu schicken, die nun zu den Ludwigsburger Festspielen und dort ins Schlosstheater geführt hat.
Während die Bühne umständehalber mit bescheidenen Mitteln auskommen muss, ist für die Musik ein Ensemble von Rang aufgeboten: Das Concerto Köln, wenngleich am ersten von zwei Ludwigsburger "Alceste"-Abenden mehrmals von Trübungen befallen, legt unter Michael Hofstetters vorwärtstreibender Leitung viel Ehre für den vergessenen Hofkomponisten Schweitzer ein. Und was hat der für eine erstaunliche Musik geschrieben! Die Arien abwechslungsreich, die Rezitative mit vielfarbiger orchestraler Grundierung und doch ganz nah an Wielands ebenmäßiger Sprache.
Den Sängern mutet Schweitzer einiges zu, und dass Simone Schneider in der Titelrolle so auffällig hell strahlt, liegt nicht nur daran, dass sie eine sehr gute Sängerin ist, die seit einiger Zeit an jeder Aufgabe immer noch weiter wächst. Es liegt auch daran, dass Christoph Genz (Admet) und Josef Wagner (Herkules) bei aller Tonschönheit ein wenig sorglos mit ihren Partien umgehen. Und Emma Pearson kann die Aufgabe, als Parthenia die eigentlich angekündigte Cynthia Sieden zu ersetzen, im Hinblick auf die virtuosen Koloraturen nicht vollständig meistern.
Darstellerisch haben sie allesamt kein Problem, Hendrik Müllers zweckdienliche Regie umzusetzen. Ob aber die stumme Garnitur durch Diener und Täubchen mehr bringt als ein wenig Ablenkung? Die damit angestrebte Mehrdeutigkeit konterkariert Müller selbst durch einige durchaus erfrischende Albernheiten. Berührend der Schluss: Wenn Alceste wiederkommt, wirkt sie lange wie geblendet vom neuen Leben. Ganz unbeschädigt steht eben niemand vom Tode auf.
Die nächste Aufführung der Oper findet am 21. November in der Stadthalle Biberach statt. Die Aufzeichnung der Weimarer Premiere ist auf CD und DVD erhältlich.
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kulturchronist - 8. Jul, 15:57


















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