Nicht mehr meine Zeit?
Die Zeiten sind, wie sie sind, hieß es in einem meiner Lieblingsfilme, und ganz am Schluss fragt endlich einer: Wie sind sie denn? Die Antwort lautet: Unbedeutend! Ich habe den Eindruck, die "Zeit" macht sich auf dem Weg dahin. Zwar sind viele Beiträge nach wie vor von höchster Qualität, aber das Drumherum in Gestalt von "vielen neuen Rubriken" (O-Ton des Chefredakteurs) und schrecklich großen Bildern wird immer dominanter. Diese Rubriken heißen dann beispielsweise "Prominent ignoriert" (kann mir jemand sagen, was das eigentlich bedeuten soll) und strotzen vor sinnloser Blödheit - und zwar auf der Titelseite! Oder die "Meinungsseite": Links Josef Joffe mit ernsthaftem Kommentar, daneben aber kaum fokussiertes Geschreibe und oben zwei große Bilder, mehr oder weniger gekonnt kommentiert. Neben dem berühmt gewordenen Bild der schwangeren spanischen Verteidigungsministerin in der Ausgabe 17 (17. April): "...und bekleidet den Obermachojob im Regierungskabinett ohne ängstliche Konzessionen an die turbogebügelte Männermilitärmode." Oh Gott, oh Gott. Korrektor hilf! Spanisch-denglisch ein Wort, ein weißer Schimmel in Gestalt des "Regierungskabinetts" - und was bitte schön ist "turbogebügelt"? Männermilitärmode will ich mal durchgehen lassen, zu verführerisch ist das Klangspiel mit den drei m - und dennoch: Gibt es ein Männermilitär? Das ist auch heutzutage mindestens ein weiß gefleckter Schimmel... Nee, das ist nicht mehr meine "Zeit". Dazu gibt es noch mehr zu sagen - aber später.
kulturchronist - 29. Apr, 11:37







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