Karajan!
Götz Thieme hat einen tiefschürfenden Artikel zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans in die Stuttgarter Zeitung geschrieben (Osterausgabe, 29. März, leider nicht online zu lesen). Sehr anregend fand ich die Feststellung, Karajan habe "die mechanische Reproduktion der Musik nicht als Augenblicksfotografie eines konzertähnlichen Ereignisses, sondern als autonomen Abdruck des musikalischen Kunstwerks, als eigenwertiges Produkt" verstanden. Vielleicht bin ich unter anderem deshalb nach wie vor ein Karajan-Anhänger (wenngleich nicht quer durchs Repertoire, aber doch bei Wagner, Verdi, Strauss und einigem mehr)? Ich bin nun mal kein Freund von Live-Aufnahmen und auch keiner von historischen Tondokumenten; finde es daher legitim, dass eine Studioproduktion jene gewisse Dynamik entwickelt, die sich vom Konzerteindruck entfernen kann und darf. Ich finde es auch ganz unbedenklich, dass Sängerinnen und Sänger auf Platte bzw. CD Partien aufgenommen haben, die sie auf der Bühne nie sangen (der Vorwurf, dies veranlasst zu haben, ging ja auch oft an Karajan: Katia Ricciarelli als Turandot war seine Erfindung). Was hätten wir denn sonst an Aufnahmen von Jessye Norman? Letztere hat meines Wissens nur eine einzige Aufnahme mit Karajan gemacht: Isoldes Liebestod (einer meiner Favoriten, wobei das, pikant für mich, wohl gar eine Live-Aufnahme ist...). Meine Karajan-Spitzenreiter außerdem, in Auswahl: Verdis "Don Carlos", Strauss' "Rosenkavalier" (jawohl! der neue aus den Achtzigern, nicht der alte mit Schwarzkopf) und für mich unübertroffen im Hinblick auf die Orchesterleitsung: "Parsifal".
Hier eine Trouvaille aus YouTube: Normans und Karajans Liebestod. Zwei Mal auf den Pfeil klicken, dann geht es los.
Hier eine Trouvaille aus YouTube: Normans und Karajans Liebestod. Zwei Mal auf den Pfeil klicken, dann geht es los.
kulturchronist - 1. Apr, 12:32
















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