Gummiboot im Geldmeer
Wenn die Buhrufer schon loslegen, bevor der Schlussakkord erklungen ist, könnte man vermuten, dass sie das Stück entweder nicht kennen oder sich so sehr aufs Buhen gefreut haben, dass sie es gar nicht erwarten konnten, der erste zu sein. Beides deutet auf Banausentum. Bei der gestrigen Stuttgarter Premiere von Wagners "Fliegendem Holländer" gingen die Buh-Männer (ich nehme mal an, es waren nur Männer) dann doch gegen die Bravos unter. Ein Spanier als Regisseur und ein Italiener am Dirigentenpult, ob das einigen Stuttgarter Wagnerianern, die ja immerhin auf einen Status als gut deutsches Winter-Bayreuth in grauer Musiktheater-Vorzeit stolz sein können, zuviel Süden war?
Der musikalischen Interpretation hat ein Schuss Italien eigentlich ganz gut getan; meine in dieser Hinsicht eher bescheidenen Erwartungen wurden übertroffen - allerdings bleibe ich bei meiner Meinung, das Wagner in Stuttgart Sache des Chefdirigenten oder eines aufregenderen Gastes als Enrique Mazzola sein sollte. Und Calixto Bieto, die vermeintliche Regieskandalnudel? Vieles, was er auf die Bühne bringt, ist nicht mein Geschmack, und bedauerlicherweise hatte er keine Zeit, den nicht ganz unbedeutenden Schluss der Holländer-Oper wirklich zu inszenieren, aber alles in allem sah ich einen spannenden Musiktheaterabend, der - was vielleicht Bieto trotz aller Bedenken gegen gewisse neurotische Mätzchen auszeichnet - den Nerv des Hier und Heute trifft. Bieto scheint mir insofern der "heutigste" Regisseur zu sein, unsere Zeit am deutlichsten auszudrücken - was umgekehrt auch auf den Zustand unserer Zeit schließen lässt: Die Mannen landen im roten Gummiboot statt mit majestätischen Schiffen an, und statt Meereswellen fliegen die Geldscheine; irritierend, aber nicht verkehrt. Zurück zu den Buhs: War den Protestlern auch ein asiatischer Holländer suspekt? Yalun Zhang hatte sie jedenfalls nicht verdient, auch wenn Attila Jun ihn als Daland (hier heißt er Donald, weil die Dramaturgie nicht ganz berechtigt stolz auf eine "Urfassung" ist) an die Wand sang, als ob er selbst den Holländer schmettern wollte. Fabelhaft ist Barbara Schneider-Hofstetter als Senta, und eine schöne Debüt-Überraschung Lance Ryan als Erik alias Georg. Unnötig und schwer erträglich ein kichernder Kleinwüchsiger; hach, wie dämonisch - siehe oben. Nun, alles Weitere überlasse ich den rezensierenden Kollegen; ich war ja freiwillig und ohne Notizbuch dort.
Der musikalischen Interpretation hat ein Schuss Italien eigentlich ganz gut getan; meine in dieser Hinsicht eher bescheidenen Erwartungen wurden übertroffen - allerdings bleibe ich bei meiner Meinung, das Wagner in Stuttgart Sache des Chefdirigenten oder eines aufregenderen Gastes als Enrique Mazzola sein sollte. Und Calixto Bieto, die vermeintliche Regieskandalnudel? Vieles, was er auf die Bühne bringt, ist nicht mein Geschmack, und bedauerlicherweise hatte er keine Zeit, den nicht ganz unbedeutenden Schluss der Holländer-Oper wirklich zu inszenieren, aber alles in allem sah ich einen spannenden Musiktheaterabend, der - was vielleicht Bieto trotz aller Bedenken gegen gewisse neurotische Mätzchen auszeichnet - den Nerv des Hier und Heute trifft. Bieto scheint mir insofern der "heutigste" Regisseur zu sein, unsere Zeit am deutlichsten auszudrücken - was umgekehrt auch auf den Zustand unserer Zeit schließen lässt: Die Mannen landen im roten Gummiboot statt mit majestätischen Schiffen an, und statt Meereswellen fliegen die Geldscheine; irritierend, aber nicht verkehrt. Zurück zu den Buhs: War den Protestlern auch ein asiatischer Holländer suspekt? Yalun Zhang hatte sie jedenfalls nicht verdient, auch wenn Attila Jun ihn als Daland (hier heißt er Donald, weil die Dramaturgie nicht ganz berechtigt stolz auf eine "Urfassung" ist) an die Wand sang, als ob er selbst den Holländer schmettern wollte. Fabelhaft ist Barbara Schneider-Hofstetter als Senta, und eine schöne Debüt-Überraschung Lance Ryan als Erik alias Georg. Unnötig und schwer erträglich ein kichernder Kleinwüchsiger; hach, wie dämonisch - siehe oben. Nun, alles Weitere überlasse ich den rezensierenden Kollegen; ich war ja freiwillig und ohne Notizbuch dort.
kulturchronist - 26. Jan, 12:10






