Ein Opernrecital mit Ingrid Bjoner - CD-Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht heute)
Ingrid Bjoner hätte Besseres verdient - die Diskografie der dramatischen Sopranistin aus Norwegen umfasst nur eine Handvoll Aufnahmen, darunter eine einzige Operngesamteinspielung, die Münchner „Frau ohne Schatten" von 1963. Immerhin sind nun Livemitschnitte einzelner Szenen aus der Bayerischen Staatsoper erhältlich, die für Ingrid Bjoner von der Frühzeit ihrer Karriere bis zum Bühnenabschied 1989 das Stammhaus blieb. An die Aufnahmen darf man keine hohen Ansprüche stellen. Außer in einigen großen Momenten der „Götterdämmerung" sind Orchester und Chor fast nur als akustisches Beiwerk zu vernehmen.
Sehr wohl ist indes zu begreifen, dass Bjoner eine außergewöhnliche Interpretin des großen Sopranfachs war. Abgesehen von der Vielseitigkeit beeindrucken der gut bewahrte lyrische Schmelz, angenehme Spannung in allen Lagen sowie vorbildliche Artikulation und Phrasierung. Beethovens Leonore ist das Glanzstück - die Sängerin beherrscht ihre Stimme und ihre Rolle in höchster geistiger und vokaler Konzentration.
Orfeo C 735 091 B; Inhaltsangabe
hier.