Die Enterprise fliegt vorbei
Die Stuttgarter Philharmoniker huldigen "Wunderkindern aus Wien" - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht heute)
Den Titel „Wiener Wunderkinder" für die Große Reihe der Stuttgarter Philharmoniker im Beethovensaal kann man recht weit dehnen: Johann Strauß war eigentlich kein Wunderkind, Mozart nicht so sehr in Wien, Korngold war zwar Wiener und Wunderkind, doch seine Fis-Dur-Sinfonie entstand erst später - als der von den Nazis Geächtete in den USA für seine Filmmusik berühmt und in Europa vergessen war.
Als Gruß von Wien nach Berlin hatte Johann Strauß damals seinen Kaiserwalzer gedacht, und das lässt sich der Dirigent Gabriel Feltz nicht zweimal sagen, vermeidet routinierten Schmäh, aber auch übertriebenen Charme. Bei Mozart tut der Verzicht auf süße Stücke wohl: In kleiner Besetzung erklingt das A-Dur-Klavierkonzert (KV 488), wo der italienische Pianist Benedetto Lupo alle Gestaltungskraft in den langsamen Satz investiert und sich andernorts viele Aussetzer erlaubt.
Erich Wolfgang Korngold hat mit seiner einzigen Sinfonie einen sperrigen, zum Sterben schönen Koloss hinterlassen, mit dem die Philharmoniker prunken können. Es ist ein erfrischendes Hörerlebnis zwischen Weltschmerz und Idylle, bei dem Feltz auch im Adagio zu Recht auf der Kitschbremse stehen bleibt. Dass es manchmal tönt, als kämen wahlweise eine Elefantenherde oder das Raumschiff Enterprise vorbei, spricht nicht gegen den Komponisten Korngold, sondern für seine andauernde Vorbildfunktion.
Seit langem zeichnet sich ab, wie schwer die großen Säle der Liederhalle zu füllen sind. Wenn es eines Beweises für die Ankunft der Wirtschaftskrise im Konzertwesen bedurft hätte, dann wären dies die vielen leeren Plätze gewesen. Den Mut, Außenseiter wie Korngold zu präsentieren, wird das hoffentlich nicht schwächen.
http://www.korngold-society.org/
Den Titel „Wiener Wunderkinder" für die Große Reihe der Stuttgarter Philharmoniker im Beethovensaal kann man recht weit dehnen: Johann Strauß war eigentlich kein Wunderkind, Mozart nicht so sehr in Wien, Korngold war zwar Wiener und Wunderkind, doch seine Fis-Dur-Sinfonie entstand erst später - als der von den Nazis Geächtete in den USA für seine Filmmusik berühmt und in Europa vergessen war.
Als Gruß von Wien nach Berlin hatte Johann Strauß damals seinen Kaiserwalzer gedacht, und das lässt sich der Dirigent Gabriel Feltz nicht zweimal sagen, vermeidet routinierten Schmäh, aber auch übertriebenen Charme. Bei Mozart tut der Verzicht auf süße Stücke wohl: In kleiner Besetzung erklingt das A-Dur-Klavierkonzert (KV 488), wo der italienische Pianist Benedetto Lupo alle Gestaltungskraft in den langsamen Satz investiert und sich andernorts viele Aussetzer erlaubt.
Erich Wolfgang Korngold hat mit seiner einzigen Sinfonie einen sperrigen, zum Sterben schönen Koloss hinterlassen, mit dem die Philharmoniker prunken können. Es ist ein erfrischendes Hörerlebnis zwischen Weltschmerz und Idylle, bei dem Feltz auch im Adagio zu Recht auf der Kitschbremse stehen bleibt. Dass es manchmal tönt, als kämen wahlweise eine Elefantenherde oder das Raumschiff Enterprise vorbei, spricht nicht gegen den Komponisten Korngold, sondern für seine andauernde Vorbildfunktion.
Seit langem zeichnet sich ab, wie schwer die großen Säle der Liederhalle zu füllen sind. Wenn es eines Beweises für die Ankunft der Wirtschaftskrise im Konzertwesen bedurft hätte, dann wären dies die vielen leeren Plätze gewesen. Den Mut, Außenseiter wie Korngold zu präsentieren, wird das hoffentlich nicht schwächen.
http://www.korngold-society.org/
kulturchronist - 17. Okt, 10:59















