Glänzendes Genie
Mozarts „Idomeneo“ mit René Jacobs - CD-Rezension für die Stuttgarter Zeitung, veröffentlicht am 08.09.2009)

In seinem 1984 erschienenen Buch über Mozarts Opern schreibt Stefan Kunze, niemals später habe sich „Mozarts musikalisches Erfindungsgenie glänzender bewährt“ als im „Idomeneo“, um sogleich vor „leeren Beschönigungsformeln“ hinsichtlich der Ausformung der Charaktere zu warnen. Die Fachleute haben sich immer wieder gegenseitig versichert, dass die Oper des jungen Mozart etwas ganz Besonderes sei. Aber ist „Idomeneo“ deshalb ins Standardrepertoire eingegangen? Gute Aufnahmen gibt es: Harnoncourts Pioniertat von 1980, Gardiners Referenzeinspielung zehn Jahre später und Mackerras’ gediegene Interpretation von 2001. Im Booklet der neuen Aufnahme macht sich der Dirigent René Jacobs Gedanken darüber, wie man heutzutage Ungeheuer und göttlichen Verlautbarungen interpretieren könnte, und er kommt zu überzeugenden Einsichten. Das stärkste Plädoyer für diese wahrhaft stürmische Oper ist dennoch Jacobs’ Arbeit am Dirigentenpult – nicht einen Takt der wohl erstmals in voller Länge und Pracht eingespielten Partitur möchte man missen, die Spannung lässt in keinem Augenblick nach, und im Gegensatz zu Kunzes damaligem Verdikt stehen bei Jacobs glaubwürdige Personen auf der imaginären Bühne, deren teils schicksalhafte, teils selbst verschuldete Konflikte man sehr wohl ernst nimmt. Ein zugkräftiger Motor für das homogene, hochklassige Solistenensemble und den ausdrucksstarken Chor ist das phänomenale Freiburger Barockorchester. Man darf sich glücklich schätzen, seinen Mozart so erleben zu dürfen, weit entfernt vom „Mozartglück“ früherer Zeiten, als die Töne aus Salzburg und Wien immer ein wenig süßlich schmeckten.
Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo. RIAS Kammerchor, Freiburger Barockorchester, Dirigent René Jacobs. harmonia mundi HMC 902036.38 (3 CD + DVD „Making of“)

In seinem 1984 erschienenen Buch über Mozarts Opern schreibt Stefan Kunze, niemals später habe sich „Mozarts musikalisches Erfindungsgenie glänzender bewährt“ als im „Idomeneo“, um sogleich vor „leeren Beschönigungsformeln“ hinsichtlich der Ausformung der Charaktere zu warnen. Die Fachleute haben sich immer wieder gegenseitig versichert, dass die Oper des jungen Mozart etwas ganz Besonderes sei. Aber ist „Idomeneo“ deshalb ins Standardrepertoire eingegangen? Gute Aufnahmen gibt es: Harnoncourts Pioniertat von 1980, Gardiners Referenzeinspielung zehn Jahre später und Mackerras’ gediegene Interpretation von 2001. Im Booklet der neuen Aufnahme macht sich der Dirigent René Jacobs Gedanken darüber, wie man heutzutage Ungeheuer und göttlichen Verlautbarungen interpretieren könnte, und er kommt zu überzeugenden Einsichten. Das stärkste Plädoyer für diese wahrhaft stürmische Oper ist dennoch Jacobs’ Arbeit am Dirigentenpult – nicht einen Takt der wohl erstmals in voller Länge und Pracht eingespielten Partitur möchte man missen, die Spannung lässt in keinem Augenblick nach, und im Gegensatz zu Kunzes damaligem Verdikt stehen bei Jacobs glaubwürdige Personen auf der imaginären Bühne, deren teils schicksalhafte, teils selbst verschuldete Konflikte man sehr wohl ernst nimmt. Ein zugkräftiger Motor für das homogene, hochklassige Solistenensemble und den ausdrucksstarken Chor ist das phänomenale Freiburger Barockorchester. Man darf sich glücklich schätzen, seinen Mozart so erleben zu dürfen, weit entfernt vom „Mozartglück“ früherer Zeiten, als die Töne aus Salzburg und Wien immer ein wenig süßlich schmeckten.
Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo. RIAS Kammerchor, Freiburger Barockorchester, Dirigent René Jacobs. harmonia mundi HMC 902036.38 (3 CD + DVD „Making of“)
kulturchronist - 30. Sep, 11:00















