Oh what a circus, oh what a show

So singt Che im Musical Evita, und daran dachte ich, als ich kürzlich auf SWR2 ein Konzert des Organisten Cameron Carpenter hörte, offenbar ein Nigel Kennedy der Orgel. Der Jubel in der Saarbrückener Kirche war groß, Carpenter gab eine Zugabe nach der anderen, aber ich empfand das alles als eine einzige große Geschmacklosigkeit. Und zwar sowohl in der Registrierung "klassischer" Werke von Reger oder Bach als auch in den überladenen Arrangements aus Bizets "Carmen" oder den ebenso pompösen Improvisationen. (Dass der Ansager im Radio in Unkenntnis des Üblichen die "Improvisation" - englisch ausgesprochen - als "weitere Komposition Carpenters" ankündigte, war auch kein Ruhmesblatt. Ebensowenig die Ankündigung der Musikfestspiele Saar: "Carpenter, der 'einzige Orgelvirtuose', erreicht mit seinen Füßen eine atemberaubende Virtuosität" - Englisch muss man halt können: Der Originaltext lautet "the unique organ virtuoso", also der "einzigartige" - das mag er tatsächlich sein.) Also: Nix für mich, und ich frage mich, ob so ein Zirkus wirklich in die Kirche gehört. Wurlitzer-Orgel kann man doch im Konzertsaal oder gar in Wald und Wiese spielen.
kulturchronist - 9. Aug, 14:02



















