Wenn ich die "meistgelesenen Beiträge" dieses Weblogs aufrufe, erscheint als erstes, und zwar mit sieben Mal soviel Klicks wie der folgende Beitrag, mein kleines Geschimpfe über die Post. Sodann tummeln sich fast alle Beiträge der "superb story" auf den Folgeplätzen, dazwischen ein Textchen mit dem Titel "Die Großmutter und die drei Tenöre". Ach ja, und meine kleine Anmerkung zu Thomas Kretschmanns Boss-Parfum-Reklame. Was sagt uns das nun? Post, Auto, Kretschmann, drei Tenöre - danach wird gesucht, das interessiert die Surfer. Mensch, Ihr Kulturinteressierten, klickt doch mal ein bisschen mehr! Ist ja sonst peinlich.
kulturchronist - 4. Jul, 20:14
Konzert der Stuttgarter Philharmoniker - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht am 01.07.2009)
Nimmt man „Konzert" als „Zusammenwirken verschiedener Kräfte", dann war beim Konzert der Stuttgarter Philharmoniker mit der Pianistin Anna Gourari und dem Dirigenten Alexander Joel alles in Ordnung. Braunschweigs Generalmusikdirektor, erstmals am philharmonischen Pult zu Gast, und die russische Virtuosin musizierten Robert Schumanns a-Moll-Klavierkonzert in schönstem Einvernehmen. Dennoch (oder deshalb) kam man im Stuttgarter Beethovensaal über die korrekte Darstellung der Musik nicht hinaus - eine Zugabe gab Anna Gourari trotz großen Jubels auch nicht.
Die Stuttgarter Philharmoniker beendeten mit dem Konzert ihre „Große Reihe", die in dieser Saison mit literarischen Themen gespickt war. Zum Auftakt des letzten Abends, der unter dem Titel „Hoffmanns Erzählungen" stand, war die Ballettsuite „Coppélia" von Léo Delibes aufs Programm gelangt. Delibes hatte sich 1870 von E. T. A. Hoffmanns Schauermärchen „Der Sandmann" zu einem Ballett inspirieren lassen, das bis heute zum Standardrepertoire zählt. Dass solche Musik in den Orchestergraben gehört und dem Bühnentanz dient, ist kaum zu überspielen: Die tänzerische Eleganz kam trotz Alexander Joels schwunghafter Anleitung etwas kratzig buchstabiert daher.
Dirigent und Orchester wissen, wie man es besser macht: Hoffmanns Ouvertüre zur seinerzeit (also 1814) erfolgreichen Oper „Undine" ist ein feines, luzides Stück Musik und ein guter Vorspann zu Beethoven, dessen 5. Sinfonie den Abend beschloss. Hier fanden Alexander Joel und die animierten, in allen Gruppen brillanten Philharmoniker zwischen wildem Furor und Breitwandopulenz einen plausiblen Mittelweg: Klanglich bestens gestaffelt, deckten sie Beethovens Abgründe auf, ohne auf Versöhnliches völlig zu verzichten. In der kommenden Saison präsentieren die Philharmoniker „Wiener Wunderkinder" und üben sich in „Krieg und Frieden" - nur gut, dass Beethoven immer passt.
kulturchronist - 4. Jul, 20:11
kulturchronist - 4. Jul, 20:07