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Dienstag, 3. März 2009

Vorurteile

"Du heißt Detlef und bist Friseur? Das geht nicht, das ist ein Vorurteil", heißt es irgendwo bei Ralf König. Gestern ging durch die Medien, dass ein subalterner CDU-Politiker hier unten im Südwesten mit Heroin gehandelt hat. Die Stuttgarter Zeitung hängte an ihren Bericht die Mitteilung an, jener Politiker sei "ledig" und habe mal "Friseur gelernt" (das verkniff sich sogar die Bild-Zeitung in der entsprechenden Meldung). Ich gebe zu, ich musste zunächst schmunzeln, aber im Grunde scheint mir die Formulierung eine in diesem Zusammenhang unstatthafte Mischung von Vorurteil und Prüderie zu sein. (Ich fand es seinerzeit auch höchst befremdlich, dass Annette Schavans Kandidatur zur Ministerpräsidentin in BW u.a. mit dem Hinweis herabgewürdigt werden sollte, die Politikerin sei "ledig". Das muss doch alles wirklich nicht sein.)

Altmodisch, aber des Comebacks würdig

Als ich Verwaltung lernte, ein Vierteljahrhundert ist es her, da gingen wir mit einem Rechtsbegriff um, dem man heute ein Comeback wünscht. Doch zunächst zwei zufällig aufgeschnappte Nachrichten aus der Welt der Krise. Gestern im Radio gehört: Der "Investor" bei Hertie hat Immobilien und Kaufhausbetrieb getrennt, von letzterem überhöhte Mieten verlangt, so die Insolvenz provoziert und darf nun die Häuser und Grundstücke behalten bzw. vielleicht noch mit Gewinn verkaufen. Kürzlich in der Zeitung gelesen: Opel verkaufte seine eigenen Lizenzen an eine Briefkasten-Tochterfirma von GM und muss nun dafür bezahlen - wohlgemerkt für Patente usw., die Opel selbst entwickelt hat. Zurück zum erwähnten altmodischen Begriff: Der hieß SITTENWIDRIG und bedeutete, dass bestimmte Vertragskonstruktionen von vornherein unwirksam sind (sinngemäß; man lege mich jetzt bitte nicht auf juristische Finessen fest). Zugegeben, sittenwidrig klingt seltsam in einer Zeit, die von alternativlosen Paketen, anonymen Systemfehlern usw. schwafelt. Aber vielleicht könnte man auf die guten Sitten durchaus mal zurückkommen und dabei klar stellen, dass diese in einer Marktwirtschaft gelten müssen. Im Casino mögen sie nicht gelten, aber die Grenzen zwischen Markt und Casino müssen ja erst wieder aufgerichtet werden.

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