Wenn der Sohn mit dem Vater...
Tilman Jens ist mir nicht sympathisch, und auch ich finde es befremdlich, dass er in der Bild-Zeitung die Demenz seines berühmten Vaters Walter Jens bis ins Detail beschreibt. Aber es lohnt, auch die Reaktionen darauf kritisch zu betrachten. Wer von jenen, die sich über Jens junior aufregen, hat selbst einen dementen Vater, eine demente Mutter? Wer von ihnen ist vielleicht nur peinlich berührt, den Verfall einer Persönlichkeit beschrieben zu sehen, weil er oder sie von Demenz im Grunde nichts wissen will? Wer denkt dabei vielleicht an die eigenen Eltern oder gar an sich selbst - und bestraft Jens dafür, dass er an Tabus rührt? Ich, der an und mit einer demenzkranken Mutter leidet, spüre durchaus Solidarität und ja, auch Erleichterung, wenn ich von den Erfahrungen anderer lese, und ich akzeptiere das bedrückende, bedrohliche Gefühl, dass auch Geistesgrößen nicht vor dieser Krankheit geschützt sind. Und ich finde sehr wohl, dass man dieses Thema "vorführen" muss selbst um den Preis, dass man damit den Demenzkranken "vorführt". Ich halte das für besser, als ihn oder sie beschämt zu verstecken, auch wenn es allen Beteiligten wehtut.
kulturchronist - 24. Feb, 14:32















