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Dienstag, 2. Dezember 2008

Klare Kante und Ratlosigkeit zugleich

Aus einem offenen Brief der Leitung der Staatstheater Stuttgart an die Mitglieder des Staatsorchesters:

"(Es) bedarf offenkundig der ausdrücklichen Erinnerung daran, was es heißt, auf die von Ihnen gewählte Weise die Arbeit der Künstlerkolleginnen und -kollegen zu boykottieren. Es gibt nichts Schlimmeres und nichts Unkünstlerisches, als die Kolleginnen und Kollegen bei einer Premiere um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen. Gerade von dem Kollektiv, das über die abgesichertsten Arbeitsverhältnisse unter allen Künstlern verfügt (und daran will niemand etwas ändern), muss man doch wenigstens dafür Solidarität erwarten.

Wir sind glücklich darüber, dass Dank des Einsatzes von Thilo Lange und Marc Soustrot mit dem Opernchor und dem ganzen Ensemble eine wunderbare Premiere gerettet werden konnte. Aber das war ja nicht in Ihrem Sinne. Und deshalb sind wir ziemlich ratlos, wie das weitergehen kann."

(unterzeichnet von Opernintendant Albrecht Puhlmann, Generalmusikdirektor Manfred Honeck und dem Geschäftsführenden Intendanten Hans Tränkle)

+++

Was mir heute noch durch den Kopf ging: Es hat ja auch sein Gutes. Das Staatsorchester Stuttgart hat mit seiner unsäglichen Aktion sein Pulver verschossen. Nachdem sie das maximale Unheil angerichtet haben - was wollen sie denn noch machen, wenn sie rechtmäßig streiken dürfen? Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen.

Meine Weihnachtsplatten (1)

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Eigentlich wollte ich ja einen Adventskalender machen, indem ich täglich eine schöne Weihnachts-CD vorstelle. Aber das habe ich vor lauter Empörung über den Orchesterstreik ganz vergessen, und nun ist schon der zweite... Daher also in loser Folge eine kommentierte Auswahl. Erstens (und jetzt bloß nicht verschreiben): "Det stralar en stjärna" mit dem, dito, Göteborgs Gosskör (sjunger Jul- och Adventssanger!). Das ist eine bei Naxos erschienene, leider gar nicht mehr lieferbare Platte mit hübschen schwedischen Weihnachtsliedern und für mich eine liebenswerte Erinnerung an schöne Vorweihnachtstage in Göteborg. Karajans Weihnachtskonzert ist immerhin bei Amazon 29 Mal gebraucht erhältlich. Eine kleine Mogelpackung, denn Karajans Corelli-Torelli-Locatelli-Interpretationen sind mit diversen Bläsernummern der Berliner Philharmoniker auf CD-Länge gebracht. Trotzdem lässt sich diese Platte schön hören - und lässt mich ein wenig ratlos zurück: Warum gefällt mir Karajans Barock plötzlich, wenn es weihnachtlich tönt?

Da macht man Marketing, und es ist auch wieder nicht recht

Das Bremer Theater hat den Marketingpreis "Highlight 2008" erhalten, "für die erfolgreiche Markenentwicklung vom Bremer Theater zum Theater Bremen", wie es eindrucksvoll auf der entsprechenden Internetseite des Marketing-Clubs Bremen heißt. Dieser eigenartige Erfolg scheint nun aber kritischen Bürgern und Schreibern in der Hansestadt und Drumherum gar nicht so recht zu sein, wie die FR berichtet. Ich habe so manche Erfahrungen mit dem Zauberwort Marketing. Sind etwa dessen (des Zauberwortes) beste Zeiten schon wieder vorbei?

Schmelz ohne Schmalz

José Carreras begeistert sein Publikum im Beethovensaal der Liederhalle - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht am 27.11.2008)

Zu den Sängern, die den abnehmenden Schmelz in ihrer Stimme durch einen möglichst hohen Ausstoß an Schmalz im Ausdruck kompensieren, gehört José Carreras nicht. Der Spanier, der bei seinem Auftritt im nicht restlos ausverkauften Beethovensaal ein ihm treu ergebenes Publikum zu Ovationen im Stehen hinriss, wirkte schon früher immer ein wenig zerbrechlich zwischen dem prallen Pavarotti und dem brillanten Domingo-Sonnenschein. Das konnte - und kann - man durchaus als Qualität sehen: Carreras, der demnächst 62 wird, ist auch heute ebenso sympathisch wie gut bei Stimme.

Der Tenor, der den Ursprung der klassischen Musik im menschlichen Unterhaltungsbedürfnis sieht, singt seit einigen Jahren vermehrt Populäres, wobei man zweierlei nicht vergessen darf: Erstens hat Carreras schon früher gute Musicalaufnahmen gemacht, und zweitens ist er bei dem unterhaltsamen Repertoire aus Südeuropa, das er nun auf CD und Tournee als "Mediterranean Passion" vorstellt, in guter Gesellschaft mit Tenorlegenden wie Caruso und Gigli. Und wie diese weiß auch Carreras, wie man es macht; wie man im rechten Moment einen kleinen Schluchzer einbaut und Schlusstöne mit entsprechendem Pomp für höher verkauft, als sie eigentlich sind.

Die individuellen Stimmfarben hat sich der Sänger erhalten, und so manche tendenziell banale Melodie veredelt er zum Juwel. Wie beispielsweise Jessye Norman, etwa im gleichen Alter und ähnlich verdienstvoll im Musikgeschäft, trifft auch José Carreras eine weise Auswahl, wenn er eher harmlose Lieder auswählt, und von diesen auch nicht zu viele: acht Solonummern plus Zugaben müssen reichen. Beim gut gemeinten weihnachtlichen Dacapo mit "Santa Lucia" war denn auch eine gewisse Ermüdung zu hören, während Carreras viele andere, hierzulande unbekannte Nummern wie eine "Passione" von Tagliaferri und Valente mit freier, weich strömender Stimme sehr schön gestaltete - da kauft man ihm den jugendlichen Galan ohne weiteres ab.

Die südliche Glut, die José Carreras anzufachen weiß, verglimmt indes oft in der mäßig inspirierten Begleitung durch die von David Giménez dirigierte Neue Philharmonie Frankfurt (ansässig in Offenbach), die nur in den instrumentalen Einlagen wie Bizets Farandole einigermaßen in Schwung kommt. Viel charmanter ist Celine Byrne, eine junge Irin, die mit einigen Bravournummern glänzen kann und dem Tenor in zwei Duetten eine adäquate Herzdame im Spiel mit den großen Gefühlen ist. Ihr dunkel getönter Sopran tendiert zur Diva, im Auftreten ist sie allzu bescheiden - der größere Blumenstrauß hätte dennoch ihr und nicht dem Herrn gebührt. Aber wenn man José Carreras richtig einschätzt, werden sie wohl hinterher getauscht haben.

http://www.josepcarreras.com/

Hollywood in Görlitz, wer hätte das gedacht

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Oho - "die vielleicht schönste Stadt Deutschlands" nennt der Autor eines FAS-Artikels mein noch immer geliebtes Görlitz. Das "vielleicht" hätte er getrost weglassen können. Schön, dass die Stadt, die noch immer Einwohner verliert, wenigstens als Filmkulisse reüssiert. Aber: Warte ab, Görlitz, Deine Zeit kommt noch.

Das Bild oben stammt aus dieser Quelle. Der Autor hat aber Unrecht, wenn er - so verstehe ich ihn - die hohen Mieten der renovierten Altbauwohnungen als Grund für den Leerstand anführt. Nein, so ist es nicht, sondern viele Görlitzer bleiben lieber in ihren Plattenbauten als in die Altstadt umzuziehen, trotz paradiesisch niedriger Mieten. Warum, kann ich noch immer nicht verstehen.

Links zum Orchesterstreik

Eine Auswahl von Interviews der beiden Deutschlandradio-Programme.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/884576/ (Bernd Fülle: Streik "völlig unangemessen" - Geschäftsführender Intendant der Bühnen Frankfurt wirft Orchestervereinigung Demagogie vor)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/884769/ (Krieg im Orchestergraben - Die Arbeitgeberseite zum Orchesterstreik - Rolf Bolwin im Gespräch mit Rainer Berthold Schossig)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/884811/ (Das Ende der Fahnenstange - Orchestermusiker wollen nicht länger Verzicht zeigen - Gerald Mertens im Gespräch mit Rainer Berthold Schossig)

Brava! Bravo!

Na wer sagt's denn... Ich freue mich.

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Dazu die Zeit.

Dicke Katzen ohne Chance!

Ich sag es ja: Dicke werden benachteiligt. Mein Katzenfoto auf dem letzten Platz in der Novemberabstimmung, unerhört! (Aber doch vorhersehbar.)

http://www.literarischer-katzenkalender.de/katzen/vote/ergebnis

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