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Sonntag, 28. Oktober 2007

The Superb Story, Part 11

Das Auto ist große Klasse, aber bei der Werkstatt passieren merkwürdige Dinge. Sie sind zwar alle nett, aber man fragt sich doch, was hinter den Kulissen vorgeht. Also: Probefahrt im Herbst 2006 war mit Sommerreifen, klar. Keine Auffälligkeiten bemerkt. Winterräder habe ich dazugekauft und gleich montieren lassen. Das Auto lag damit wie ein Brett auf der Straße. Im April 2007 Wechsel zu den eingelagerten Sommerreifen - aus dem Brett wurde eine Art Surfbrett, zumindest immer kurz vorm Anhalten und besonders bei Spurrillen: Wackeln in der Lenkung, starker Zug zur Seite. Ich hab's hingenommen, schlicht weil ich nicht gleich wieder in die Werkstatt wollte, und hab mich auch dran gewöhnt, wenngleich ungern. Nun also wieder Reifenwechsel, die auffälligen Sommerreifen wurden geprüft: Die seien ja ganz unmöglich, hieß es, und außerdem Herstellungsjahr 2001 und deshalb auch schon ziemlich alt. 2001, frage ich - das Auto ist Baujahr 2003, und den Superb gibt es überhaupt erst seit 2002, nicht wahr? Ratlosigkeit, Schulterzucken - ja vielleicht hat man dem Vorbesitzer alte Reifen angedreht? (Ich denke: Warum sollte der Vorbesitzer denn Sommerreifen gekauft haben, wenn er das Auto nur drei Jahre gefahren hat?) Vorläufiges Fazit: Bei der Probefahrt sehr gute Fahreigenschaften, dann im Sommer danach ganz schlechte - ich folgere naiv, dass das nicht dieselben Reifen gewesen sind. Aber wie kommt das? Hat man sie verwechselt oder hat sie jemand ausgetauscht gegen Reifen, die älter als das Auto sind? (Dass das Auto selbst älter ist als angegeben, mag ich mir nicht vorstellen, und es kann eigentlich auch nicht sein.) Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Mal sehen, was ein Brief an die Firma bringt, die ich hier bewusst noch nicht genannt habe. Mit den "alten" Winterreifen übrigens fährt mein Vaclav wieder wie von alleine.

"Die Trojaner" in Stuttgart

Wenn ich nicht muss, gehe ich in die Oper nur dann, wenn ich das aufgeführte Werk noch nicht kenne – ein probates Gegenmittel zur Langeweile in der soundsovielten „Zauberflöte“ oder „Carmen“ (nix gegen diese willkürlich ausgewählten Opern, aber es juckt mich einfach nicht mehr so richtig dabei). Nun also: Freitag gab es „Die Trojaner“ im Stuttgarter Großen Haus, das offizielle Debüt von Manfred Honeck als neuer Generalmusikdirektor und Auftakt zur mutigen „französischen Saison“ (es werden noch folgen Rossinis „Le Conte Ory“ und Halévys „La Juive“). Musikalisch war’s eine Sensation, für mich schon die Oper selbst, die ich nur in Ausschnitten und oberflächlich kannte; dann erst recht mit dem neuen GMD und dem mirakulösen Orchester, die diese vielfarbige Musik opulent und doch nie verkleistert zum Klingen brachten. Dazu zwei sehr gute und eine absolut großartige Sängerin (Christiane Iven als Dido) – was will man mehr?

Naja, man will auch einen guten Tenor und, wenn es irgend geht, auch eine gute Inszenierung. Und diese – nun gut, 1. und 2. Akt die schiere Katastrophe, 3. und 4. passabel, und erst der 5., für den Joachim Schlömer rein aktionistisch betrachtet nichts mehr eingefallen war, war gut. Endlich, nach drei Stunden mit hässlichen Bühnenbildern und unvorteilhaften Kostümen, gab es richtiges Musiktheater ohne viel Getue, Gezappel und Gepuste. Das war zwar eigentlich zu spät für dieses lange Werk, ersparte dem Regieteam aber den Buhsturm, der es sicher ereilt hätte, wäre es weitergegangen wie anfangs zu befürchten. Blöde auch die Applausordnung: Die beste Sängerin mit der größten Partie musste den Tenor mitschleppen (damit ihm nicht dasselbe passierte wie bei der in den Sand gesetzten „Fanciulla del West“ neulich, wo er beim Publikum ganz und gar nicht auf Gegenliebe stieß). Aber sei’s drum: Manfred Honeck und das Orchester bekamen den lautesten Beifall, den ich je in der Oper gehört habe. Gut so.

http://www.staatstheater.stuttgart.de

Bravo, Ralf!

koen1

Überrascht war ich von dem Interview, das Ralf König mit der NZZ geführt hat. Seine letzten Comics gefielen mir nicht, weil sie sich allzu sehr um Sex, Drugs and Rock'n'Roll drehten und ich glaubte, dass König dies ebenso tue. Aber nun kommt der Comic "Hempels Sofa" (in dem es um eine "Heterokiste" geht - und zu dem eine herrlich verwechselte Inhaltsangabe auf Königs Homepage steht), und in der NZZ sagt der Autor unter anderem: "Die Forderung war einmal: «raus aus dem Schrank». Aber mit den Jahren kann man eher den Eindruck haben, man macht es sich gemeinsam im Schrank gemütlich. (...) Wenn Schwules nicht so schrill und tuntig daherkommt, interessiert es die Medien kaum oder gar nicht. In Film und Fernsehen sind Schwule meistens die lachhaften Superschwuchteln. Und an den Christopher Street Days wird dieses zweifelhafte Bild fatalerweise noch fleissig untermauert; ernsthafte politische Forderungen gehen völlig unter in grotesker Selbstinszenierung." Endlich sagt's mal einer, der es wissen muss - bravo! Hier ein Link zur FAZ, wo Ralf König vierzehn Tage lang den doch recht biederen Strizz sehr würdig vertreten hat.

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