Auf Bachs Spuren
Snorre Björksons Roman "Präludium für Josse" - Beitrag für das Forum Bachakademie

Sicher nicht zufällig heißt die titelgebende Figur dieses Romans Josse – spielt doch deren Liebe zu Johann Sebastian Bach eine nicht unerhebliche Rolle. Bach – »Old Joe« nennen sie ihn ebenso jugendlich-respektvoll wie innig – ist der gemeinsame Nenner, von dem aus die unerfüllte, aber von großer Einfühlung und Zärtlichkeit geprägte Liebesgeschichte beginnt zwischen dem Erzähler – 15, 16 ist er und trägt den norddeutschen Namen Holtes – und eben jener Josse, die Posaune und Orgel spielt und die Musik von Bach liebt. Bei Holtes’ Debüt im Posaunenchor, ausgerechnet anlässlich einer Beerdigung, lernen sie sich kennen, spielen gemeinsam in der Schulband und machen sich in den Ferien auf den Weg von Verden nach Lübeck. Auf Bachs Spuren, der bekanntlich in die Hansestadt wanderte, um Dietrich Buxtehude an der Orgel zu hören.
Snorre Björkson, 1968 in Norddeutschland geboren, ist bislang eher als Hörspielautor bekannt gewesen, und auch »Präludium für Josse« war ursprünglich ein solches, sogar in niederdeutschem Dialekt verfasst. Einige für Süddeutsche unverständliche Rudimente mindern nicht das Lesevergnügen an diesem soeben erschienenen Roman, der von schöner Melancholie geprägt ist. Gleich am Anfang heißt es: »Vielleicht hätte es wirklich anders sein können, wenn ich ein klein wenig mutiger gewesen wäre.« Wer hat sich diese Frage wohl noch nie gestellt?
Josse geht nach Freiburg, um Kirchenmusik zu studieren, und der drei Jahre jüngere Holtes bleibt im Norden zurück und »geht auf dem Zahnfleisch«. Was bleibt, ist die Erinnerung an gemeinsames Musizieren – und ein subtiles Plädoyer für Musik in der Schule, die heute so sträflich vernachlässigt wird: »Verwandelt schien mir die Welt in dieser Zeit, nicht mehr wirklich Schule. Herausgewachsen aus dem Alltag, entwickelten wir eine Wichtigkeit, eine Ernsthaftigkeit, die dennoch niemals schwer wurde. (…) Zum ersten Mal schien mir Schule etwas mit dem wirklichen Leben zu tun zu haben. Was ist dann das wirkliche Leben, wenn nicht Musik?«
Das ist nur eine weitere von vielen, auch religiösen und philosophischen Fragen, die sich die jugendlichen Figuren von Snorre Björkson stellen. Und auch wenn man sie später immer wieder vergisst, diese grundlegenden Fragen – sie klingen nach. Wie ein Präludium von Johann Sebastian Bach.
Snorre Björkson: Präludium für Josse. Roman. Gebunden, 262 Seiten, ISBN 978-3-351-03085-8. Erschienen im Aufbau-Verlag. Preis 18,90 € / 34,30 SFr.
http://www.aufbau-verlag.de

Sicher nicht zufällig heißt die titelgebende Figur dieses Romans Josse – spielt doch deren Liebe zu Johann Sebastian Bach eine nicht unerhebliche Rolle. Bach – »Old Joe« nennen sie ihn ebenso jugendlich-respektvoll wie innig – ist der gemeinsame Nenner, von dem aus die unerfüllte, aber von großer Einfühlung und Zärtlichkeit geprägte Liebesgeschichte beginnt zwischen dem Erzähler – 15, 16 ist er und trägt den norddeutschen Namen Holtes – und eben jener Josse, die Posaune und Orgel spielt und die Musik von Bach liebt. Bei Holtes’ Debüt im Posaunenchor, ausgerechnet anlässlich einer Beerdigung, lernen sie sich kennen, spielen gemeinsam in der Schulband und machen sich in den Ferien auf den Weg von Verden nach Lübeck. Auf Bachs Spuren, der bekanntlich in die Hansestadt wanderte, um Dietrich Buxtehude an der Orgel zu hören.
Snorre Björkson, 1968 in Norddeutschland geboren, ist bislang eher als Hörspielautor bekannt gewesen, und auch »Präludium für Josse« war ursprünglich ein solches, sogar in niederdeutschem Dialekt verfasst. Einige für Süddeutsche unverständliche Rudimente mindern nicht das Lesevergnügen an diesem soeben erschienenen Roman, der von schöner Melancholie geprägt ist. Gleich am Anfang heißt es: »Vielleicht hätte es wirklich anders sein können, wenn ich ein klein wenig mutiger gewesen wäre.« Wer hat sich diese Frage wohl noch nie gestellt?
Josse geht nach Freiburg, um Kirchenmusik zu studieren, und der drei Jahre jüngere Holtes bleibt im Norden zurück und »geht auf dem Zahnfleisch«. Was bleibt, ist die Erinnerung an gemeinsames Musizieren – und ein subtiles Plädoyer für Musik in der Schule, die heute so sträflich vernachlässigt wird: »Verwandelt schien mir die Welt in dieser Zeit, nicht mehr wirklich Schule. Herausgewachsen aus dem Alltag, entwickelten wir eine Wichtigkeit, eine Ernsthaftigkeit, die dennoch niemals schwer wurde. (…) Zum ersten Mal schien mir Schule etwas mit dem wirklichen Leben zu tun zu haben. Was ist dann das wirkliche Leben, wenn nicht Musik?«
Das ist nur eine weitere von vielen, auch religiösen und philosophischen Fragen, die sich die jugendlichen Figuren von Snorre Björkson stellen. Und auch wenn man sie später immer wieder vergisst, diese grundlegenden Fragen – sie klingen nach. Wie ein Präludium von Johann Sebastian Bach.
Snorre Björkson: Präludium für Josse. Roman. Gebunden, 262 Seiten, ISBN 978-3-351-03085-8. Erschienen im Aufbau-Verlag. Preis 18,90 € / 34,30 SFr.
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kulturchronist - 30. Jan, 18:27

















