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Mittwoch, 13. Dezember 2006

Auftritt von Individualisten

Das Freiburger Barockorchester spielt Vivaldi - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (Konzert am 12.12.2006)

Eigentlich hätte das Konzert des Freiburger Barockorchesters im Mozartsaal der Liederhalle „Venedig!“ heißen müssen und nicht „Vivaldi!“. Zwar standen ausschließlich Konzerte des Italieners auf dem Programm – ein früher angekündigter Bach kam nicht zum Vortrag –, aber vom Programmheft auf den Geburts- und Wirkungsort des Komponisten eingestimmt, vermeinte man bei den sechs Konzerten in ständig wechselnder Besetzung tatsächlich das pralle, bunte Leben rund um San Marco in musikalischer Gestalt zu erkennen.

Vivaldis Instrumentalkonzerte zeichnen sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie, bevor sie eintönig werden könnten, meist schon wieder zu Ende sind. Diese Kürze hat der Komponist allerdings prickelnd gewürzt, und das Freiburger Barockorchester in Zwanzigerbesetzung kostet jeden Takt mit der ihm eigenen, sicht- und hörbaren Verbindung von musikalischer Kompetenz, gemeinschaftlichem Spaß und hoher gegenseitiger Aufmerksamkeit aus.

Ausgewählt hatte man sechs Konzerte, die sich von den abgenudelten „Jahreszeiten“ vor allem durch die Mitwirkung von Bläsern unterscheiden. Zwischen den zart schwebenden Querflötentönen Karl Kaisers und den zünftig schmetternden Hörnern von Teunis van der Zwart und Erwin Wieringa gab es Schönes von Blockflöten und Oboen zu vernehmen, und in diesem vielfarbigen Zusammenklang waren dann auch die solistischen Violintöne von Anne-Katharina Schreiber und Gottfried von der Goltz eine angenehme, zum Glück gar nicht süßliche Abwechslung. Einen Gutteil der vielen Bravi darf sich auch die exzellente Continuo-Gruppe zurechnen.

Dass die Mitglieder des demokratisch verfassten Freiburger Barockorchesters auch bei ihren Auftritten und Abgängen Individualisten sind, kann der mit freundlicher Energie leitende Konzertmeister von der Goltz allerdings nicht ändern. Will er aber vermutlich auch gar nicht.

http://www.barockorchester.de

The Superb Story, Part 06

p1010582

Na, wer ist der Schönere? [Wiesbaden, 13.12.06]

Die jährlichen CD-Empfehlungen

Hier meine Beiträge zur "Extra-Notenbank" der Stuttgarter Zeitung:


Leckerbissen

Beethoven: Sinfonien Nr. 3 (Eroica) und 8; Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi. Sony BMG 8869006552. Da fliegen dem Hörer, wie man so sagt, die Ohren ab. Auch wer seine Eroica zu kennen glaubt, wird hier atemlos lauschen. Stürmischer Auftakt zu einem neuen Beethoven-Zyklus.


Denkanstoß

Gruber: Aerial, Eötvös: Jet Stream: Turnage: From the Wreckage; Hakan Hardenberger, Göteborger Symphoniker, Peter Eötvös. DGG 00289 477 6150. Moderne Musik mit einigen Prisen Jazz, große Kunst an der Trompete und den Orchesterpulten. Genau hinhören – auch Zeitgenössisches kann innovativ sein und gleichzeitig schön.


Augenschmaus

Fritz Wunderlich – Leben und Legende. DVD Video, DG 004400734202.
Leben und Werk des großen Tenors, sensibel aufbereitet mit vielen Zeitzeugen und historischen Aufnahmen. Bittersüß: Wunderlich als Lenski in „Eugen Onegin“.


Seelentröster

Till Brönner: Oceana. Verve 06024 9877425 0.
Den Jazz-Puristen gefällt er ja nicht, der Wahl-Berliner. Sei’s drum: Till Brönner spielt seine Trompete so sinnlich, Carla Bruni und Madeleine Peyroux wispern so süß, dass man nur dahinschmelzen kann.


Tanzpartner

Jamie Foxx: Unpredictable. Sony BMG 82876717792.
Der Schauspieler aus “Miami Vice” kann auch noch richtig gut singen – typisch amerikanisch, und das ist gut so. Zusammen mit diversen Gast-Stars feiert Jamie Foxx eine flotte Party.


Bettgenosse

Charlotte Gainsbourg: 5:55. Because Music 2564636522 (Vertrieb: Warner). Ihre eigene Schlaflosigkeit inspirierte die Schauspielerin zu diesem Album. Also: Augen zu und genießen. Wer bei Charlotte Gainsbourgs zärtlich gehauchten Liedern einschlummert, ist selbst schuld.

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